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Sonntagsgeschichte (12): SALZSTANGEN

Ob sie ihm verziehen hatte? Würde er es jemals erfahren? Es war zu spät. Für so vieles im Leben war es zu spät. Nachdenklich rührte er die Suppe um. Porreesuppe mit süßer Schärfe, das hatte sie immer geliebt. Er zwang sich, nicht in Schwermut zu verfallen. Die Sojasprossen kannte er nur aus der China-Pfanne vom Imbiss, aber seine Carina wusste, wie man eine leckere Suppe komponiert. Komposition traf es auf den Punkt, denn auf de Zutaten kam es an, das war es, was sie immer gepredigt hatte. Nun war sie schon ein Jahr nicht mehr von dieser Welt. Lilli platzte mitten in seine Grübeleien hinein, und das war auch gut so.

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Sonntagsgeschichte (11) Als der Kaffee alle war (2)

Victor lachte. Sein Schwager Ivo war so witzig, wusste trefflich zu unterhalten und verfügte über einen trockenen Humor. Auch Vera, Victors Frau schien sich zu amüsieren, denn sie lächelte fortwährend. Victor hätte sich noch vor zwei Jahren in Rumänien nicht träumen lassen, dass er mit einer deutschen Frau eine glückliche und harmonische Ehe führen würde. Lange stand nicht fest, ob er in Deutschland bleiben würde. Ivo hatte ihm beim Umgang mit den Behörden sehr geholfen. Und heute, an Veras Geburtstag, feierten sie auch Victors unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Sie saßen auf der Veranda und der Grill neben ihnen war nun endgültig aus. Satt und zufrieden lehnte sich Ivo zurück.
„Habe ich nicht gut gegrillt?“ Victor bestätigte das. Er genoss es, mal nicht nur Essen bringen zu müssen, sondern auch mal selbst gut essen zu können. Vera kam aus dem Haus und brachte den beiden Männern ein Bier.
„Teilt euch das ein bis zum Kaffee, Jungs“, scherzte sie und lächelte wieder. Victor wollte auf ihre spaßig-belehrende Art eingehen, da vibrierte sein Handy. Das war das Zeichen dafür, dass er eine Nachricht erhalten hatte.
Ivo nahm ihm das Telefon aus der Hand und schaltete es ab.
„Jetzt feiern wir, Schwager. Du bist nicht auf Arbeit hier, heute ist kein Stress für uns.Prost!!“ Und er hob die Flasche zum Zeichen, dass Victor anstoßen sollte.

Einen Moment lang hatte Victor tatsächlich an die Gaststätte gedacht, wo er derzeit einen Aushilfsjob als Kellner ausübte. Heute sollte dort eine Reisegruppe ankommen. Dass er heute den Geburtstag seiner Frau feiern würde und deshalb frei machte, war dort bekannt. Schnell hatte er daher die SMS vergessen. Außerdem war das Handy nun aus und Victor bereits in ein Gespräch mit Ivo über deutsche Autos und deutschen Fußball vertieft.

14:32 Uhr. Anna hatte zwischendurch die Zeit gefunden, Victors Handynummer zu wählen. Niemand ging ran. Gleich würden die Busse ankommen. Ob die Chefin noch rechtzeitig genug Kaffee auftreiben konnte? Eine junge Frau kam auf sie zu, als sie an der Kasse die Bons durchsah. „Nehmen Sie auch Praktikantinnen? Ich bin Studentin….“
„Wie heißt du?“, fragte Anna unvermittelt.
„Sarah. Ich würde gern so für eine Woche oder so etwas Erfahrung…“ Weiter kam sie nicht. Anna nahm sie beiseite.
„Sarah, freut mich. Ich bin die Anna. Eigentlich entscheidet das die Frau Herbst, das ist die Inhaberin. Aber wir haben gerade einen kleinen Engpass… Wenn du etwas Zeit hast, hilf mir ein wenig, bis die Frau herbst wieder da ist, okay?“
Die junge Frau wich irritiert eine Schritt zurück.
„Ähm…jetzt? Aber ich habe doch noch keine Unterlagen mit…“
„Später, Sarah. Willst du? Das Angebot steht. Ansonsten muss ich schleunigst weiter machen. Ich brauche jemand, der unsere Moccatassen aus dem Schrank räumt und kurz abspült. Gleich kommt eine Reisegruppe, und ich will denen unseren Supermocca kredenzen.“ Diese Idee war Anna gerade eingefallen. damit würde der letzte Kaffee etwas länger reichen. Nun würde es kommen, wie es kam.

14:45 Uhr. Das Telefon neben der Kasse klingelte. Sarah, die das Angebot Annas angenommen und mit der Arbeit als Praktikantin in spé begonnen hatte, nahm auf ein Zeichen von Anna hin den Hörer ab. Der Mann am anderen Ende sprach gebrochenes Deutsch.
„Du mich angerufen, Anna?“ fragte er. Sarah wollte schon auflegen, dann aber erkundigte sie sich nach dem Namen. „Hier ist Victor. Ich kann nicht kommen, Frau hat doch Geburtstag. In SMS stand, ihr habt angerufen. Ist dringend?“
„Ähm… ich schätze schon. Ich bin Sarah, die Praktikantin.“
„Obudev, Victor. Ich Oberhilfe.“ Das sollte Hilfskellner heißen, klang aber witzigerweise irgendwie verantwortungsvoller.
„Wer ist dran?“, fragte Anna im Vorbeigehen.
„Ein Victor.“ Sie riss Sarah den Hörer aus der Hand. „Victor, hast du gestern oder vorgestern Vertreterbesuch gehabt? Der Kaffeevertreter ist nicht gekommen – Mensch, wir brauchen Kaffee!“
Victor musste überlegen. Er war schon ein wenig beduselt vom Geburtstagsbier mit Ivo und machte Anna mit seiner langsamen Art zu antworten, extrem ungeduldig.
„Komm zum Punkt, ich weiß, du feierst heute, aber du wirst dich doch noch erinnern können?“
„Nee, war niemand da, kein Kaffeebringer.“
„Wo zum Teufel steckt der denn?“
„Ist vielleicht hoher Stau irgendwo, ich denke…“
„Quatsch. Gestern, er sollte gestern kommen – spätestens!“ Anna begriff, dass sie Victor nicht mehr entlocken konnte. Weil er getrunken hatte, würde er auch nicht ins Auto steigen und herfahren können. Egal, ein Versuch war es ihr wert:
„Victor, könntest du in ein Taxi steigen und kommen – nur für eine Stunde oder zwei? Deine Gäste werden dir hoffentlich so lange erhalten bleiben… BITTE!“
„Och geht nicht, Frau hat doch Geburtstag, und habe ich Haus voll Leute hier! War beantragt heute frei!“ Hätte ja sein können, dachte Anna stirnrunzelnd, murmelte einen Glückwunsch für Victors Frau in den Hörer und ging wieder an die Arbeit. Er wäre ohnehin zu spät hier angekommen….

14:51 Uhr. Die Chefin raste durch die Einfahrt auf den Hof. Verschwitzt und mit verschmierter Schminke im Gesicht, aber lächelnd stieg sie aus und lud die zwanzig Kilopackungen Kaffee aus. Noch während sie das tat, kam der erste von zwei Reisebussen vor dem Kaffeehaus auf dem Parkplatz an. Der Busfahrer avisierte Anna, es seien siebzig statt sechzig Fahrgäste. Das ginge nicht, erklärte Anna, wenigstens nicht sofort, sie müsse noch zehn Plätze vorbereiten und eindecken. Von dem Kaffee-Dilemma wollte sie nichts sagen. Sie schlug dem Busfahrer und der nun auch anwesenden Reiseleiterin vor, den Gästen erstmal einen Spaziergang anzutragen, es sei eine schöne Gegend hier. Gerade schwärmte sie von einer kleinen alten Kirche zwei Kilometer weiter, als die Chefin hinter dem Tresen erschien, ihr zunickte und den Daumen hob.

„Der zweite Bus kommt auch gleich. Genügen Ihnen so… fünf bis zehn Minuten Zeit? Sonst kommen wir mit unserem Zeitplan durcheinander.“ Nach meinem Zeitplan fragt auch keiner, dachte Anna, machte aber gute Miene zum bösen Spiel. Immerhin war nun Kaffee im Haus. Nun waren sie auch wieder ein richtiges Kaffeehaus. Zusammen mit Sarah machte sie sich dann an die Arbeit und zählte zunächst die freien Plätze. Würden die reichen für zehn weitere Reisegäste? Und was, wenn die nicht zusammen sitzen konnten?

****
„Wer war das? War das nicht für mich?“ Victors Frau war neugierig, mit wem ihr Mann da telefonierte und witterte eine weitere Überraschung. Doch Victor winkte ab. Irgendwie war die Stimmung nun dahin, fand er. Und im Kaffeehaus saß nun eine Reisegruppe ohne Kaffee… Es ließ ihn nicht in Ruhe.
„Wann gibt es Kaffee?“, fragte Ivo und hatte damit das Stichwort geliefert.
„Gar nicht, Kaffee ist alle.“ Vera Lehmann-Obudev sah ihren Mann verständnislos an. Es sei ihm so rausgerutscht, entschuldigte er sich und ergänzte: „Habe ich telefoniert mit Arbeit – Chaos dort, Kaffee alle, viel Gäste….“
„Ein Café ohne Kaffee?“ Ivo fand das komisch.
„Kaffeehaus. Chefin Frau Ilona sagt, ist nicht dasselbe wie Café.“
„Und… aber es ist doch nicht deine Schuld?“
„Nein, aber ich muss hin und helfen….ich mag nicht Kaffee hier trinken, und Gäste dort nicht… Fahr ich hin und gucken, wo helfen geht, ihr trinkt Kaffee, und ich rufe an und komme dann wieder. Kann nicht feiern mehr.“
Dagegen aber legte die Spaßkanone Ivo Veto ein.
Aber Victor war nicht dazu zu bewegen, den Anruf zu vergessen. Vera hingegen kannte ihren Mann und wusste, wenn er nicht fuhr, war die Stimmung erst recht im Eimer. „Wir kommen mit, und wenn alles gut ist, trinken wir eben dort Kaffee und feiern dort weiter. Da gibt es doch auch Kuchen, oder?“ Victor nickte und gab seiner Frau einen Kuss auf die Wange.
Ivo wollte wissen: “ Und wer fährt?“
Aber Victor telefonierte bereits mit einem Taxi-Unternehmen in der Nähe.

15:07 Uhr. „Anna, was ist nun mit dem Kaffeeonkel? Ist der immer noch verschollen?“ Die Kellnerin beantwortete die Frage der Chefin mit einem Kopfnicken. „Gut, dann ist sein Laden raus bei uns.“ Ilona Hecht beschloss, am nächsten Tag die Geschäftsbeziehung telefonisch zu beenden. Solche unzuverlässigen Partner brauchte niemand. Jetzt aber machte sie sich daran, die Kaffeeautomaten vorzubereiten. Dafür hatte sie sich bei Anna aber etwas Zeit ausgebeten – das ging nicht so schnell. Die war angesichts der scheinbar gelösten Katastrophe dankbar und sagte, sie würde sich schon so lange zu helfen wissen.

Ein Kombi der Mittelklasse bremste mit quietschenden Reifen auf dem Parkplatz des Kaffeehauses. Der so schwer vermisste Kaffeevertreter Rolf Buchert, ein korpulenter Mittvierziger mit schwarzem Anzug und Pomade in den Haaren betrat mit einem Arm voll Werbegeschenken die Gaststätte. Überrascht von den vielen Leuten, die eben im Begriff waren, Platz zu nehmen, zögerte er einen Moment, lächelte dann und marschierte als er Ilona Hecht erblickte, auf die Bar zu, hinter der sie gerade an einem der Automaten hantierte. Was nun folgte, hatte er so nicht erwartet.

„SIE? Sie sehen doch, ich habe das Haus voll und zu tun. Immerhin muss ich mir ein Zentner Kaffee aus den Rippen schneiden! Bringen Sie jetzt erst etwa den bestellten Kaffee?“
„Liebe, sehr verehrte Frau Hecht…“
„Ich bin nicht Ihre Liebe…Und bevor sie mit dem Ausliefern anfangen – “ Ilona Hecht holte sich sarah heran, da Anna gerade beschäftigt war – „…nur dass ich einen Zeugen habe. Unser vereinbarter Termin war wann?“
„Gestern zehn Uhr spätestens, aber lassen Sie sich doch…“
„Aha. Bevor Sie sich nun einen Zopf an die Lippe reden, storniere ich hiermit die Bestellung, da ich keinen Bedarf mehr habe und Sie den Liefertermin nicht eingehalten haben. Ich werde Regressansprüche an Ihr Unternehmen stellen, falls es bei einem der heutigen Gäste auch nur im Ansatz zu einer Beschwerde kommt. Und Sie möchte ich hier nicht mehr sehen! guten Tag, Herr Wuchert!“
„…Buchert! Aber ich wollte doch…“ Die immer noch erboste Chefin ließ ihn nicht ausreden.
„Mir egal, was Sie wollten – oder wollten Sie ihr Telefon zur Abwechslung mal einschalten? Damit man Sie erreicht?“
„Ich habe auch als Wiedergutmachung eine Bonuspackung Ihrer Sorte „Arabica Wonder“ dabei – und natürlich noch einiges mehr…Ich habe vorgestern abend einen Unfall gehabt – nur Blechschaden, aber eben kein Auto, vorübergehend. Es tut mir leid.“
Ilona Hecht blickte nun auf.
„Mir tut es auch leid. Aber Sie kennen schon Ihre Termine und wissen, wie das im Geschäftsleben so läuft, oder? Ich meine, Sie hätten hinterher noch ein Telefon bedienen können, oder? Oder wenigstens gestern… Nee, Schluss jetzt: Nehmen Sie Ihre Souvenirs wieder mit und gehen Sie. Wir arbeiten bereits mit einem Mitbewerber… Ich kann da keine Rücksicht nehmen. Und nun habe ich zu tun!“

Wie ein begossener Pudel zog Buchert wieder ab. „Und du bist die Sarah?“ Ilona mussterte die Praktikantin und fand sie soweit ganz sympathisch und freundlich. Das Mädel könnte mal eine freundliche Bedienung werden, dachte sie. Alles weitere würden sie später besprechen müssen, erklärte die Chefin der Praktikantin. Ilona Hecht atmete auf. Da hatte Anna Glück gehabt, dass ihr in der Stunde höchster Not kein Hallodri als Bewerber begegnet war. Aber künftig würde sie sich solche Entscheidungen vorbehalten.
Das musste Ilona mit Anna später noch genauer klären.
Der Buchert tauchte nochmal auf. Mit zerknirschtem Gesicht stellte er zwei Kilopackungen „Arabica Wonder“ vor Ilona hin.
„Wie dem auch sei – es tut mir wirklich leid. Und die hier möchte ich Ihnen als meine persönliche Entschuldigung da lassen.“
„Wieviel Kaffee haben Sie denn mit?“
„Na, die ganze Bestellung – einen halben Zentner…“ Ein Hoffnungsschimmer spielte um Bucherts Gesicht.
Ilona beugte sich ihm entgegen. “ Sie werden verstehen, dass ich die ganze Bestellung nicht mehr benötige. Zwanzig Kilo können Sie abladen, mehr geht nicht. Aber ob ich mich nochmal melde – ähm… gehen Sie mal nicht davon aus. Sie haben für sehr viel Stress und graue Haare gesorgt. Das war nicht professionell, Herr Buchert. Verstehen wir uns?“
Ilona Hecht wusste genau, dass sie der Kunde war und im Moment am längeren Hebel saß.
Sie wollte jetzt damit beginnen, immer eine Reservemenge an Kaffee im Lager zu haben – für Fälle wie diesen. Deswegen lenkte sie ein – nur ein wenig, nicht zu sehr. Böse war sie dem Buchert, diesem Kaffeeonkel immer noch.

Das alles hatte sich abgespielt, während Anna schon die ersten Bestellungen entgegen nahm und den Gästen erstmal erklärte, dass es nur heute den neuen „Super-Mocca“ gab, ein Muss für jeden Kaffeetrinker. Ihr Gedanke war, dass sie normalen Filterkaffee in Mokkatassen anbieten würde und so erstmal ein Auskommen mit dem Kaffee gesichert sein dürfte.

In der Tat war die Neugier bei den Reisegäste nun geweckt, und „herkömmlichen“ Kaffee bestellte zunächst niemand. Nun musste Anna ihr Rettungskonzept der Chefin erklären – denn Ilona hatte gerade die Mokkatassen entdeckt, die bereit standen und auf Inhalt warteten.
„Deine Mocca-Strategie ist eigentlich Schmuh. Aber Ideen hast du ja, Anna. Wenn ich so weit bin, erklären wir den Leuten, der Mocca sei alle, wegen der Nachfrage. Bis dahin schenke meinetwegen deinen Super-Mocca aus. Laufen alle kaffeeautomaten, dann gibt´s eben wieder richtigen Kaffee wie immer. Aber künftig, ohne Not, sprich das gefälligst mit mir vorher ab, hörst du? Vorher!“
Damit gab sich Ilona Hecht zufrieden. Nach zehn, elf ausgeschenkten Super-Mocca würde wieder alles sein wie früher, dann war wieder Kaffee im Sortiment. Es würde schon gut gehen.

Doch einer der Gäste, die den Super-Mocca bestellten, war der immer noch anwesende Beamte Kastmann vom Gewerbeaufsichtsamt. Nach dem ersten Schluck rümpfte der die Nase und winkte Sarah, die mitkellnernde Praktikantin zu sich.

15:15 Uhr. Der zweite Reisebus traf ein, zusammen mit einem Taxi, dass auf dem Parkplatz anhielt. Victor, Vera und Ivo stiegen aus und gerieten mitten in einen Pulk aussteigender und herumstehender Reisender. Alle strömten durch die Eingangstür in das Kaffeehaus. Hoffentlich bleiben wir zusammen, dachte Vera und suchte in der Menge ihren Mann.
Victor war bereits auf dem Weg zur Bar und stellte vor Anna, die mit Mokkatassen klapperte, vier Packungen „Kuba Bohne Premium“ auf die Theke. Anna blickte auf, sah den Kaffee und wischte sich lächelnd mit dem Handrücken den Schweiß ab.
„Victor! Das ist so nett von dir, aber das ist nun nicht mehr nötig…“
„Haben angehalten an Kaffeeladen, die hatten kein Arabica… Taxifahrer hat uns den hier empfohlen. Soll nur Resereve sein.“
„Und deine Gäste? Feierst du nicht?“
„Alle hier!“ Victor drehte sich um, seine Augen suchten umher.
„Wir wollen hier feiern, und ich kann helfen, wenn es sein muss…“
Ilona kam von einem der Tische mit leeren Mokkatassen und Kuchenteller auf einem Tablett.
Ihr Blick war besorgniserregend und hellte sich auch nicht auf, als sie Victor gewahr wurde.
„Das gibt noch Ärger. Als wenn wir noch nicht genug um die Ohren haben…“ Die Chefin war von Kastmann herbeizitiert worden und hatte eine saftige Beschwerde über den „wohl dünnsten Mokka der EU“ entgegen nehmen müssen.
Dafür hatte sie ihm einen Kaffee gratis spendiert und Sekunden lang mit dem Gedanken gespielt, ihm die wahren Umstände zu erläutern.

Victor und seine zwei Gäste feierten in einer hinteren Nische an einem versteckt liegenden Vierertisch und bekamen Kaffee und Kuchen frei – denn Ilona Hecht wusste seinen Einsatz durchaus zu schätzen, und einmal musste er auch kurz einspringen und die Stellung an der Kaffeebar halten, denn Sarah war unterdessen nach Hause gegangen. Auch sie hatte gut gearbeitet und Anna viel Arbeit abgenommen.

Ein Nachspiel seitens des Beamten Kastmann gab es in der Tat noch, aber anders als von Ilona Herbst befürchtet.
In den folgenden Tagen suchten mehrere Vertreter für Mokka-Kaffee und Mokkageschirr sowie für Espresso-Automaten das Kaffeehaus auf. ©2006

Ende

Sonntagsgeschichte (10) „Als der Kaffe alle war“ (1)

Als der Kaffee alle war

coffee-994840_640sonstige_049„Wir haben noch weitere Anmeldungen, drei Tische sind reserviert für morgen.“ Die Kellnerin Anna legte ihrer Chefin Ilona Hecht das Reservierungsbuch vor. „Und dann noch die Reisegruppe, na dann mal los“, entgegnete die nur. Das klang nicht wirklich so motivierend, wie es gemeint war. Ilona Hecht hatte diesen runden Teepavillon wie ein Schmuckstück hergerichtet – Wolkenstores an den Fenstern, milchkaffeefarbene Wände, schmiedeeiserne Garderobenständer mit Zeitungshaltern und auf alt getrimmte Bistrostühle ergänzten den frischen Duft von geröstetem Kaffee, der hier fast immer in der Luft lag. Der Gast sollte gar nicht anders können, so Ilona Hechts Vision, als Kaffee zu bestellen.

Sonntagsgeschichte (10) „Als der Kaffe alle war“ (1) weiterlesen

Nur keine Müdigkeit vortäuschen!

creative-725811_640Nun beginnen die kalten Monate, in denen man am liebsten spät aufstehen und früh ins Bett möchte. Die gefühlt immer loudspeaker-148969_1280währende Dunkelheit regt manchen auf und viele dazu an, es sich daheim „muckelig“ zu machen. Kreativ sein kann man aber auch bei künstlichem Licht und theoretisch, so lange man munter ist. Die Zeit dafür sollte man sich nehmen, denn Kreativität bedeutet Arbeit und Arbeit macht was? Nein nicht Spaß, obwohl das in dem Fall auch stimmt … nein, Arbeit macht schneller müde als keine Arbeit. Sagt eine Studie. Vielleicht hilft ja die laute Lieblingsmusik, zusammen mit Coffein? Das Thema Müdigkeit wäre doch mal ein catsaxKurzgeschichtenthema, oder? Gedichte dazu gibt es bereits von mir. (Langschläferleiden, Albträume, schlaflos u.v.m.) Demnächst ja auch im Handel. Wow, was für eine Überleitung. Na, und die KG, die liefere ich vielleicht noch nach – wie wärs als neue Sonntagsgeschichte? Gerne auch mit jenen Stichworten, die ich hier als Kommentar unter dieses Posting erhalte. ZERDENKER hat diese Idee vor mir gehabt, und ich finde sie so anregend, dass ich es auch mal probieren möchte.

Wieder da: Sonntagsgeschichte (9)

EIN BUCH MUSS ERSTMAL SCHÖN SEIN. An jenem ersten Tag in meinem kleinen Laden war die Welt noch in Ordnung. Gerade räumte ich die dritte Bücherkiste ein, als das Telefon klingelte.
„Buchhandlung Gute Seiten, Schlechte Seiten?“
„Na, mit dem Namen werden Sie Absatzschwierigkeiten haben…“, antwortete eine Frauenstimme.
„Das denke ich nicht – die schlechten Seiten stehen ja im Extraregal. Mit wem spreche ich denn?“ Sie klang ziemlich herablassend.
„Baronin von Neuenberg. Wann eröffnen Sie?“
regal001„Heute ist die Neueröffnung. Und dann haben wir wochentags von 10 bis 18.00 Uhr geöffnet. Samstags gibt es immer eine Vormittagslesung. Ich würde mich freuen, wenn Sie…“
„Halt, halt, halt. Zuviel Information, danach hatte ich nicht gefragt, Herr…?“
„Hansen.“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
„Das mit den schlechten Seiten…“, wollte die Anruferin wissen, „… das ist nicht Ihr Ernst, oder?“
„Nein, Die sind natürlich noch gut. Wir achten streng auf das Haltbarkeitsdatum.  In einem schattigen Regal halten sie sich auch länger“, scherzte ich und ergänzte vorsichtshalber: „Als schlechte Seiten bezeichnen wir hier die Werke, die wir als Mängelexemplare anbieten, Frau von Neuenberg.“
„Achso? Naja… Es ist ja Ihr Laden.“ Noch gehörte er der Bank, aber das ging die Dame nichts an.
Sie bestand darauf, Baronin genannt zu werden und erkundigte sich noch, ob sie dann mal reinschauen könnte – dumme Frage, dachte ich, lud sie aber freundlich auf ein Glas Eröffnungssekt ein.
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Spät dran: Schreibe nun doch Weihnachtsgeschichte weiter

SD530067Die Weihnachtsgeschichte „Oh Pannenbaum“ wird aus aktuellem Anlass von mir  noch etwas weiter ausgearbeitet… einen anderen, passenderen Titel erhält sie auch. Die Geschichte ist erst 3 Kapitel alt und soll so wenig schmalzig wie möglich werden, denn Fettiges gibt es ohnehin genug in diesen Adventstagen. Dann wird sie in voller Länge wie gehabt als e-book erscheinen. Unter „SONNTAGSGESCHIHCHTE (6)“ finden sich die ersten drei Kapitel dieses Jahresend- Desasters.  Ich weiß, ich bin spät dran damit… Aber wenn es hoch kommt, habe ich dann eben ein ganzes Jahr Zeit, die Geschichte zu beenden. Wenigstens Kapitel Nummer 4 aber sollte ich noch schaffen. Siehe unter KURZ ERZÄHLT… Da steht eine Leseprobe zur Verfügung.

Unabhängig davon wünsche ich nunmehr allerseits ein FROHES FEST!!

Romanze (nach einer wahren Begebenheit)

Da ist zunächst ER – groß, von schlanker Gestalt, wendig und ebenso stark wie sensibel. Einmal laut und voller Energie, schier strotzend vor Kraft, ein andern Mal still, fast auf der Stelle verharrend, als genieße er den Moment. Immer treibt es ihn voran, auch wenn sein Weg nie lange geradeaus führt. Und all das schafft er, obwohl er den ganzen Tag und die ganze Nacht im Bett liegt.

An einer Stelle seines seltsamen Weges trifft er SIE – geradlinig, zielbewusst und doch kurvenreich. Eine Schönheit ist sie nicht, eher so etwas wie eine graue Maus, und man sieht ihr ihre Härte an. Ihn stört das nicht. Immerhin folgt sie ihm, begleitet ihn für eine Weile, und Seite an Seite werden sie zu Weggefährten. Er könnte sich etwas darauf einbilden.

Behutsam kommt er ihr näher. Sie weicht nicht aus, im Gegenteil. Schließlich ist sie für einen kurzen Moment über ihm. Sie kennen sich erst seit kurzer Zeit, und trotzdem schon diese Nähe, diese Anziehungskraft… Nach einer Weile wendet sie sich ab von ihm und versteckt sich hinter einem Wäldchen, dann zieht es sie plötzlich in die nächste Stadt.

Er aber ergibt sich nach einigen Meilen dem Fernweh und nimmt Kurs Richtung Meer. Ein Boot zieht auf ihm einen Scheitel aus Wellen – denn ER ist ein Fluss, und SIE eine Strasse.

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Es war nur gut gemeint. (Sonntagsgeschichte Nr. 7)

Kleinfred Wechselmann verrechnet sich...
Kleinfred Wechselmann verrechnet sich…

Die Barkasse in Geldingen war kein romantisches Boot, wie viele Touristen anfangs immer glaubten, die sich am kleinen Bahnhof des Ortes danach erkundigten, sondern eine Bank. Warum sie Barkasse und nicht Giro-Shop oder Geldhafen hieß, weiß der DAX.  Ihr Vorstandschef, ein langer schlacksiger Anzugträger mit Brille und Seitenscheitel hörte auf einen ebenso verwegenen Namen.

Kleinfred Wechselmann hatte mit diesem Namen vermutlich keine Wahl gehabt – es blieb nur eine kaufmännische Karriere für ihn übrig. Wenn man genau hinsah, konnte man sogar noch die Ärmelschonernähte am Sakko erkennen. Seine pomadigen Haare wirkten dermaßen ölig, als hätte ihn ein Autoschlosser über den Kopf gestreichelt.  Und um seine Angestellten zu motivieren, kam Wechselmann nun auf die Idee, statistische Kennzahlen auszuwerten und während eines  feucht-fröhlichen Festaktes in der Bank die besten Mitarbeiter in den jeweiligen Sparten zum MISTER und zur MISS im entsprechenden Bereich zu küren… Der Kredit mit den  höchsten Zinsen, das Konto mit dem höchsten Dispositionskredit, die Finanzierung mit der längsten Laufzeit, die Umschuldung mit den meisten Raten… lauter solche bizarren Superlative waren es, die er für auszeichnungswürdig hielt.

Seinen Mitarbeitern verklickerte er seine monetär motivierte Zielstellung mit einem lauen Scherz: “Hier wird jeder Euro zum Unsro!”  Diese Kursvorgabe bezog sich allerdings ausschließlich auf jenes Geld, welches die Kunden in die Filiale trugen und was dazu gedacht war, Safes und Schließfächer des Hauses zu füllen, die Bilanzen zum Leuchten und Wechselmanns Brieftasche zum Platzen zu bringen. Die Lohntüten der Bankangestellten aber blieben  dünn, so dass man sie auf den ersten Blick für leere gefütterte Briefumschläge halten konnte.

Dafür war ja nun diese tolle Motivationsfeier geplant. Über die würde noch lange gesprochen werden, da war sich Wechselmann sicher. Und er sollte recht behalten – allerdings auf eine für ihn unangenehme Art und Weise.  Tage vorher arbeitete er Statistiken durch, erstellte Tabellen, rechnete, formulierte und bereitete Urkunden vor. Von niemandem liess er sich dabei in die Karten schauen, selbst seine Sekretärin durfte ihn dabei nicht stören.

Es nahte der Tag der Feier. Die kleine Aula war festlich dekoriert, es gab sogar ein Rednerpult und ein Mikrofon. Schließlich ging unter den gespannten Angestellten ein Raunen um, als der Vorstandschef mit seinem dicken Redemanuskript erschien.

So wurde dann zum Beispiel Scheinhard Bündel für die Vergabe des Kredites mit dem höchsten Zinssatz des Jahres ausgezeichnet, und man munkelte, dieser sei schon jenseits der Grenze zum Wucher angesiedelt. „Scheinhard, Sie dürfen sich nun MISTER ZINS 2010 nennen!“, verkündete Wechselmann feierlich am Ende seiner kurzen Laudatio.

Das Fräulein Bilanzia aus dem  Geschäftskundenbereich  wurde als nächste Anwärterin auf einen der ominösen Titel auf die kleine Bühne gebeten.  Gespannt warteten alle in der Aula versammelten Zuschauer, was sie denn nun für eine MISS werden würde. Bilanzia Kriegegern dürfe sich fortan MISS PORTO nennen, denn sie habe so viele Bearbeitungs- und Portokosten wie noch nie in die von ihr bewilligten Kredite einberechnet, erklärte der pedantische, zahlenverliebte Wechselmann.

Er war überhaupt ein Ausnahmestatistiker, und so rief er dann als sechste und letzte Auszuzeichnende Profundia Prüfer auf, deren Aufgabe die Kreditvergabe an Privatkunden war. Sie habe zwar Kredite mit meistens kurzer Laufzeit herausgegeben, aber einer sei dabei, dessen Raten seien bemerkenswert hoch, dank der für die Bank so positiven Zinshöhe und der üblichen Zusatzgebühren für die Kreditversicherung, die Bearbeitungsgebühren, das Porto – hier wanderte sein Blick wieder zu Bilanzia Kriegegern, die noch immer dankbar lächelte und verträumt ihre Urkunde bewunderte – und so kam Wechselmann dann zur Verkündung, was für eine MISS denn Profundia Prüfer nun sei – aber diese Verkündung löste Buuh-Rufe und Gelächter im Publikum aus. Die Auszuzeichnende bekam einen hochroten Kopf und wurde ärgerlich, sagte ins Mikrofon, sie drohe Wechselmann mit einer Klage wegen Beleidigung, werde zumindest ihren Anwalt konsultieren…

Der Chef verstand minutenlang nicht, was er da mit seiner Titulierung ausgelöst hatte, bis es ihm plötzlich dämmerte. Er hätte im Boden versinken mögen vor Scham, aber so konnte er sich nur entschuldigen bei Profundia. Er wollte doch nur anspornen und motivieren… Es war zu spät, schon warf das empörte Publikum aus lauter Solidarität Kekse und Kuchenstücke auf die kleine Bühne, und Wechselmann wünschte sich weit, weit weg.

Wie konnte er auch verkünden, Frau Prüfer dürfe sich fortan MISS RATEN nennen?

Einige Tage später nahm sie zähneknirschend seine Entschuldigung an… Schließlich kannte sie ihn und wusste, wie er es gemeint hatte: Jedenfalls nicht böse, das stand fest. Da Wechselmann dann aber voller Dankbarkeit ihren Großmut lobte und ihr schwor, sie sei nun für ihn MISS VERSTÄNDNIS, kündigte sie am nächsten Tag und ließ sich per sofort beurlauben.

Der verdutzte Kleinfred Wechselmann aber verstand die Welt nicht mehr.

Oh, Pannenbaum! Kapitel 3 – als Sonntagsgeschichte (6)

Der Job aller Jöbbe
Oh Pannenbaum! (3)

Kapitel1 und 2

-3-

Mit einer fahrigen Handbewegung brachte ich die Kaffeetasse zu Fall. Elke stöhnte auf.
„Hab dich doch nicht so, Kaffeeflecke gehen heutzutage schon bei 30 Grad raus.“, belehrte ich sie. Ihre schwerhörige Oma Herta fühlte sich angesprochen, weil ich sie dabei zufällig ansah und widersprach mir : „ Nein, nein, Jungchen – bei 30 Grad geh ich nicht mehr raus, das ist mir viel zu warm…“
„ Hertalein, du bist ja kein Kaffeefleck, da macht das nichts, wenn du drin bleibst“, entgegnete ich freundlich.

Wie Elke dazu kam, meine Eltern zu sich zu bestellen, war mir immer noch nicht klar. Und vor allem – woher nahm sie die Gewissheit, dass sie selbst noch zu meiner Familie gehörte? Sie hatte in der Tat Mutter angerufen und sie nebst Mann und Braten zu sich, ihrem Hansel und diesem lebenden Ärmelschoner aus dem Land des oval office eingeladen, nach dem Essen könne ich ja mit meinen Eltern los ziehen, außerdem sei ich der Baumbesorger – jaja: worum auch immer meine Ex mich bittet, ich besorg´s ihr.

Es klingelte an der Wohnungstür. Die Hausherrin sah mich an, als hätte ich einen fahren lassen. „Das sind die Männer.“, sagte sie und sah mich wieder an. Achso, die Männer. Dann bin ich der Weihnachtsbraten, oder was? Ihr Blick wurde nicht besser, eher fordernder: „Du siehst doch, dass ich hier zu tun habe, oder?“ Sie hatte das Tischtuch in der einen und eine weiße Masse in der anderen Hand und begann, den Kaffeefleck damit einzugatschen.
„Na was ist – machst du bitte auf?“ „Wohne ich hier oder du?“
Das konnte ich mir nicht verkneifen, ging aber doch zur Tür. Dann konnte ich gleich selbst auf das Klingelschild schauen, ob da nicht etwa doch mein Name stand.

Unten vor der Tür standen Hans und der Ami. Sie waren einkaufen gewesen und schleppten diverse Taschen und Tüten mit sich herum. Auf dem Flur in der Wohnung sahen sie die Unterkiefer und das Gezweig liegen. „Was bitte ist das?“, lachte Hans und zeigte auf das Grünzeug. Der Amerikaner grinste und sagte nichts.
Elke kam um die Ecke, lächelte kurz und kreischte plötzlich. Hat sie wieder heimlich Hohes C getrunken, dachte ich nur und sah vor meinem geistigen Auge die Weihnachtskugeln in ihren Kartons zersplittern.
„Hans!! Pass doch auf…“ Elke deutete auf seine Schuhe.
Ihr Mustergatte musste seine Füße mitsamt Schuhen in einem Haufen warmer Exkremente geparkt haben – auf der Straße wohlgemerkt, denn es roch plötzlich nicht mehr weihnachtlich.
„Von jetzt an nenne ich dich Hans Im Glück.“, beschloss ich laut.
„Haha, du Blödmann. Hilf mir lieber.“, meckerte Hans Dampf-in-allen-Schuhen.
Baumbesorger, Schuhputzer , Türöffner….Das ging entschieden zu weit und ich deswegen kurzerhand und ebenso entschieden ins Wohnzimmer zurück.

Als sich die Aufregung und der markante Duft mit Hans zusammen auf sein Sofa gelegt hatten, während Mister McOffice um Elke herumscharwenzelte, besah ich mir den Baum nochmal aus der Nähe.
So schlecht sah die Kiefer nicht aus, wenn man sie im richtigen Winkel betrachtete. Daher liess ich mich sogar hinreißen zu der Aussage, ich hätte sie selbst ausgesucht und abgesägt. Vom Friedhof sagte ich natürlich nichts. Ich wollte für meiner Hände Arbeit anerkannt, meinetwegen auch kritisiert werden, Hauptsache es nahm mal einer davon Notiz, dass ich verdammt nochmal meinen Beitrag zu diesem Fest bereits geleistet hatte!

“Da fehlt doch die ganze Spitze!”, mäkelte Hans an dem Baum herum.
“Ist eben eine Unterkiefer – für Elkes niedrige Wohnung reicht die doch.”, antwortete ich 
“Aber besser wär, da oben drauf gäbe es eine Spitze”, beharrte Hans.
Elke kam dazu und zog angewidert die Oberlippe hoch, als sie den Baum sah. Den Blick kannte ich noch aus der Hochzeitsnacht. Sie mochte einfach keine kleinen Bäume.  “Da hast du deine Spitze”, sagte ich zu Hans und deutete mit dem Kopf auf Elke. “Nicht, wahr – du bis doch immer spitz?”  Und damit liess ich die Beiden stehen und begab mich zu dem Ami, der inzwischen auf der Couch lümmelte. Ich war so geladen wie John Waynes Winchester.
Ob der Büromane mich etwas aufheitern konnte mit seinem drolligen Denglisch?

Sonntagsgeschichte (5)

"Verfahren"
„Verfahren – eine Bewerbungsepisode“

Schon wieder dieses Schild. Ich bog in den nächsten Feldweg ein und wendete. Hier war ich schon vor einer halben Stunde. Hatte ich die Abbiegung übersehen? Vielleicht wäre ein Navigationssystem nun hilfreich gewesen. In wenigen Minuten wurde ich an einem scheinbar unauffindbaren Ort zu einem Bewerbungstermin erwartet. Beiläufig, ohne die Straße aus den Augen zu lassen, ließ ich den Blick rechts und links schweifen. Kein Gewerbegebiet weit und breit, keine Firmengebäude. Nur Landschaft mit Feld und einzelnen Bäumen.DSCI0008

Dann sah ich einen unscheinbaren Feldweg, der bergauf führte. An den Seiten säumten Buchen den breiten Pfad, den nur ein Auto zur Zeit passieren konnte. Was hinter dem Hügel lag, auf den er führte, konnte ich von hier aus nicht erkennen. Und die Zeit verging. Warum nur war ich ohne Technik unterwegs? Mein Handy lag zu Hause, ein Navigationssystem besaß ich nicht, und ich war mir dennoch sicher gewesen, zu wissen, wo ich die Firma finden würde – denkste.


Sonntagsgeschichte (5): „VERFAHREN“


Seufzend und mich gedanklich schon von dem Job verabschiedend noch bevor ich die Chance hatte, überhaupt angehört zu werden, fuhr ich den Feldweg lang. Es war zum Verzweifeln.

Kurz vor der Kuppe des Hügels tauchte vor mir ein entgegenkommender LKW auf. Ich bremste genervt, und wenige Meter vor mir hielt auch der Fahrer des Lastwagens. Wir stiegen aus, und ich fragte ihn nach dem Weg. Es stellte sich heraus, dass ich mich in der Tat verfahren hatte.

Das Dorf, in dessen Nähe das Gewerbegebiet mit meinem potenziellen Arbeitgeber sein sollte, trug denselben Namen wie eines der Dörfer hier im Umland. Und dieses Dorf hier hatte ich schon mehrfach durchquert. Für heute war es zu spät. Der Fahrer und ich, wir rauchten eine Zigarette zusammen, denn er war auf der Fahrt in den Feierabend mit seinem W50 und ich musste sowieso zurücksetzen, damit er vorbei kam.

Ich bekam am nächsten Tag die Absage per Mail. Das Auswahlverfahren laufe bereits, und da ich gestern meinen Termin nicht wahrgenommen habe, nähme man an, ich habe anderswo eine Arbeit aufgenommen. Meine Rückantwort, die ich nur der Richtigstellung wegen sendete und in der ich schrieb, ich habe mich verfahren, wurde unpassenderweise  mit haargenau demselben Text beantwortet. Bereits vier Wochen später suchte derselbe Arbeitgeber für die Stelle, die er beinah mit mir besetzt hätte, erneut jemanden, wie ich der Presse entnahm.

Also hatten sie sich da in dem Betrieb mit ihrer Auswahl scheinbar auch verfahren beim Auswahlverfahren.

Sonntagsgeschichte (4)

Der Job aller Jöbbe
Wie man Sorgen durch Kaffee loswird

Hier der Link zur heutigen Sonntagsgeschichte – sie entstand für eine Ausschreibung zum Thema Kaffeehausgeschichten, ist mir aber meiner Meinung nach dafür nicht gut genug gelungen… Urteilt selbst…also es reicht mit der Pointe höchstens zum Schmunzeln, aber man muss ja nicht immer laut lachen, oder? Wünsche eine schöne, sonnenbrandfreie Woche und viel Strandsand in den Schuhen…!