Schlagwort-Archive: Alle Jahre wieder

Balkonurlaub, wörtlich genommen

Im  Sommer mache ich traditionell bis zu einer Woche lang Balkonurlaub und betrete die Wohnung nur, um zu essen, zu trinken, Morgen- und Abendtoilette zu machen oder mich an- oder umzuziehen.  Das ist jetzt schon das zweite Jahr, wo ich das bei milden Nachttemperaturen von 12-16 Grad praktiziert habe.  Idealerweise sollte ich dann nicht arbeiten müssen, um auch was von den Tagen zu haben.  Das heißt, draußen arbeite ich schon, schreibe,  topfe Blumen und Gewächse um, reinige die Brüstung oder lese und höre Musik. Gegen zu schlechtes und zu heißes Wetter nutze ich immer eine Markise, geschlafen wird zu ebener Erde.

Und schon gibt es da die verrückte Idee, meine „Balkonerlebnisse“ während einer Woche mal in Tagebuchform oder als Kurzgeschichte festzuhalten … wobei dort sicher nicht alles tatsächlich von mir erlebt wurde. Es soll ja kurzweilig werden.

Es schiffte auf der Hanse Sail

Zum 27. Mal fand in Rostock und Warnemünde das traditionelle Stelldichein für Segel- und andere Schiffe statt. Auch wenn das Wetter sich nicht so trocken wie der Humor mancher Besuher präsentierte, die es sportlichnahmen, so gehen die Medien bereits seit Samstag schon wieder von Besucherrekoren aus. Sollte der wirklich erreicht werden – vielitierte Zahl ist die 1 Million – liegt das vielleicht auch daran, dass neue Gesetze manchen Schiffseigner in den folgenden Jahren davon abhalten könnten, eine Teilnahme zu erwägen.

Es ist immer amüsant, wie schon im Zuge der Berichterstattung über die Eröffnung der Sail sehr optimistisch von starkem Besucherandrang gesprochen und über das Erreichen der magischen Millionengrenze spekuliert wird. Die Anzahl der gemeldeten Schiffe wurde in den Medien mit 190 angegeben und ist damit bereits in diesem Jahr leicht rückläufig.

Müssen nun zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, eine Aufstockung des Personals und weitere Maßnahmen vorgenommen werden, um den neubeschlossenen Gesetzen gerecht zu werden, schafft das in finanzieller Hinsicht schlechte Voraussetzungen für die weitere Existenz mancher alter Schiffe, deren Instandhaltung und so weiter.

Was also wird aus der Hanse-Sail, wenn die Schiffe wieder zur Randerscheinung werden und man die Besucherzahl wieder wie einst einzig durch die Umsätze der vielen Fress- und Karussellbuden ermitteln kann, nicht aber anhand mitsegelnder Gäste?

Der Dauerregen hat einmal mehr bewiesen, das Schiffen zur Hanse Sail gehört. Bleibt zu hoffen, dass sich dieses Event nicht thematisch neu erfinden muss, weil selbst Stammbesucherschiffe wie die „Sedov“ oder die „Frieden“ dann nicht mehr vorbeischauen. (Foto: © D.Harms)

Herrentagsgedanken

Wieder steht der Tag des Bollerwagens vor der Tür, die 24stündige Dauerausrede dafür, dass man uns Männer immer und überall mit einem Bier in der Hand oder einem Grill vor dem beschürzten Bauch erwischt. Zumindest an diesem Tag. Grillen an sich ist aber keine reine Männersache: Am Frauentag dürfen dann natürlich mal die Frauen grillen. Und noch ein weit verbreiteter Irrtum: Herrenschokolade darf man selbstverständlich  ganzjährig essen. Auch, wenn man eine Frau ist. Sicher heißt sie nur so weil sie von (oder etwa aus?) Herren hergestellt wird. Also, die Schokolade, nicht die Frau natürlich, was für ein Quatsch.

Kann ja auch sein, dieser Herrentag, auch Männertag genannt, ist eine Erfindung der Kohleindustrie. Wer grinst da? HALLO! Holzkohle? Grill?  Na bitte.  So wie hinter dem Frauen- und dem Muttertag die Blumenhändler stecken, hinter dem Kindertag die Spielzeugindustrie und all die Süßigkeiten eine Erfindung eines Bielefelder Zahnarztes sind. Na gut, außer vielleicht die Gummibären. Weiß doch jeder, dass da der Gottschalk hinter steckt!

Betrachten wir die Sache mit dem Ehrentag mal philosophisch: Es gibt einen Männer- bzw. Herrentag und einen Frauentag. Sind Männer und Frauen wirklich die einzigen Geschlechter, die einen solchen Tag verdienen? Wenn wir angeblich im Zeitalter der Geschlechtervielfalt und Gleichberechtigung leben, dann hat hier der Ehrentagserfinder noch eine Menge Arbeit vor sich … Und was bitte ist mit Ehrentagen für Tiere und Pflanzen?

Ich habe mich an dieser Stelle schon über die kuriosesten Gedenktage ausgelassen. Darüber nachzudenken, wie man die alle innerhalb eines Kalenderjahres unterbekommt, wenn es noch mehr werden, das lasse ich jetzt auch mal aus.

Mein Jahresendfazit (2016) fällt verhalten aus

Auf in ein besseres neues Jahr 2017!
Auf in ein besseres neues Jahr 2017!

Ein nachdenklich machendes 2016 liegt in den letzten Zügen. Viele Prominente (und Nichtprominente) starben, es gab Terror, Trump und Flüchtlingsdebatten. Wie immer stürzten die Medien sich auf quotensichernde „Aufreger“ und schlachteten diese Themen aus – so dass man sich erneut über die Schlechtigkeit der Welt ärgert und vergebens hofft, es würden auch mal positive Nachrichten ausführlich recherchiert und berichtet werden. Weitestgehend Fehlanzeige. Da fällt ein beherztes und weihnachtenhoffnungsvolles Nachvornblicken schwer. Dennoch oder gerade deswegen fällt der Jahresrückblick 2016 ernüchternd aus.  Leider ist zwar keine Hoffnung groß genug,umunsterblich zu sein, aber sie stirbt bekanntlich zuletzt. Hoffnung sei der letzte Strohhalm der Narren, sagt man. Okay – dann rechne ich mich dazu und hoffe auf ein besseres, motivierenderes 2017.

Das wünsche ich uns allen. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Stau-schau-wem.

grill-771057_640Draußen sommert es vor sich hin, weder der Grill noch die Nächte werden je richtig kalt. Geschweige denn – der Kühlergrill. Gefühlte Millionen mobiler Urlauber stellen sich artig in einer Autoschlange auf die ansonsten freie Autobahn und genießen einen Kollektivstressfaktor, den es so nirgendwo anders während der restlichen urlaubs- und ferienfreien Zeit gibt. An der Geschwindigkeit kann es nicht liegen, denn immerhin geht es oft nur im Schritttempo wenige Meter vorwärts.  Stau-schau-wann, möchte man da nur sagen und wundert sich, mit welcher impertinenten Frechheit all die Gaspedaltreter und Sportwagenküsser den friedlich dahin tuckernden Erntefahrzeugen und Traktoren, den Radfahrern und Müllfahrzeugen sowie den Pferdefuhrwerken dann sogar die Chausseen streitig machen. Also, nachdem alle Verkehrsnachrichten zwischen den Nachrichten zur vollen Stunde wegen der ganzen Staumeldungen gar keine Hörerwünsche mehr erfüllen (können).  Aber es passiert alle Jahre wieder wie ein Ritual, das zum Sommer dazu gehört. Kann denn nicht mal einer den Bayern, Sachsen und Hessen ein eigenes Binnenmeehr anlegen? Nordsee, Ostsee gibt es schon – wie wärs mit der Südsee?  Oder Mittelsee? Germanisches Meer? 

Wenn das Gewässer zu den nächsten großen Ferien fertig werden soll, müssten sich jetzt schon mal alle Ruhrpottbagger auf den Weg zum Entstehungsort machen. Immerhin sollten sie unterwegs mindestens ein paar Tage Zeit für den Stau einplanen… 

Statt einer Jahresendstatistik

word-cloud-639317_640Vergleicht man die Jahre von 2012 bis heute miteinander, nehmen Blogbesucher und Klicks auf dieser Seite tendenziell langsam ab. Diese allgemeine Einschätzung bezieht sich nicht auf deren Gewicht, sondern auf die Anzahl ihrer Präsenz. Von durchschnittlich 12 auf 6 Besucher pro Tag hat sich der Traffic halbiert im Laufe der Zeit, wobei es Aufs und Abs gab. Dabei darf man nicht vergessen, dass dieses Blog mit Facebook vernetzt ist, so dass Interessierte gezielter auswählen können, wann sie die Beiträge auf dem Blog zu Ende lesen wollen.

Unabhängig davon danke ich an dieser Stelle allen Followern, Lesern und sporadischen Besuchern hier für die Treue. Vielleicht ist es die abnehmende Tendenz, aus deren Grund WordPress diesmal keinen Jahresendbericht generiert hat. Na wenn schon, dies ist kein Wettkampf, sondern Hobby. 🙂

Kommentar zur Neujahrsansprache 2011

Kommentar. Wieder haben – zusammen mit allen anderen Nationen der Welt – auch wir Wende-erfahrenen Deutschen eine Wende hinter uns gebracht- eine Jahreswende. Ob das auch eine Wende zum Besseren wird, bleibt abzuwarten. Es wird ein schweres Jahr, so Angela Merkel in der Neujahrsansprache, aber wie schwer kann es eigentlich z.B. aus der Perspektive eines für 5,-€uro/Stunde arbeitenden,aufstockende Sozialleistungen beziehenden Steuerzahlers noch werden, der kein Geld für irgendeine private Altersvorsorge hat?

Da sagte die Kanzlerin also mal wieder etwas, was der schon längst wusste. Es wird schwer müsste für ihn heißen: Es bleibt schwer. Das ist symptomatisch dafür, wie die Politik in ihrer Lernfähigkeit und in ihrer Erkenntnisgewinnung hinter ihren Bürgern herhinkt. Wieder mal hat die Kanzlerin Probleme und Herausforderungen beim Namen genannt und bereits Erreichtes gewürdigt. Das reißt niemanden mehr vom Stuhl. Mal im Ernst: Gab es wirklich jemanden, der von der Neujahrsansprache auch nur Lösungsansätze oder ein dargelegtes klares Konzept erwartet hat?

Immerhin: die Richtung wurde vorgegeben -Tenor der Ansprache war „Da müssen wir gemeinsam durch“ Gemeint war nicht nur das neue,schwere Jahr 2012. Auch die Schuldenkrise. Aber dererlei Motivationsgelaber verschleiert nur einmal mehr, dass auch Angela Merkel noch kein Konzept für ein wirklich souveränes Krisenmanagement in der Schublade zu haben scheint. Immer nur nach der Devise „Schaunwe mal“ zu re(a)gieren, statt zu agieren, nachdem wieder ein Kind in den Brunnen gefallen ist, macht die Politik manipulierbar und immer mehr von der europäischen Finanzwelt, allen voran Banken und Börse, abhängig.

Eine Kreditklemme für Unternehmen könnte die Folge sein, wenn zum Beispiel die Banken sich schwer damit tun, ihr einmal erwirtschaftetes Kapital wieder aus den Händen zu geben und zu re-investieren. Fast könnte man meinen, sie trauen dem Rettungsschirm nicht. Anzeichen dafür gab es 2011.

Bange machen gilt nicht – Das Jahr 2012 ist kein Gespenst.

Nicht zuletzt auch darum muss Angela Merkel endlich aufhören, mit den bevorstehenden nächsten Wahlen im Blick sich in abwartender Geduld zu üben. Es wäre schön, wenn sie mit dieser überparteilichen Tradition mal brechen würde, zumal die Menschen im Land auch aus dem Verhalten der Politiker lernen…. Und noch etwas: Gute Kommunikation hört auch nicht mit guter Rhetorik auf – es darf dabei ruhig auch um Inhalte und Ideen gehen. Sicher würden die Bürger, die ja auch die Wähler sind, einer Ansprache mit konstruktiven Denkanstößen sehr aufmerksam zu hören. Und sicher wäre die Opposition erstmal von berufswegen „dagegen“ – das kennt man ja. Meistens bleiben dann bei aller Kritik die Gegenvorschläge aus den Reihen der Opposition aus – aber auch das kennt man ja.

Aber stünde ein Konzept auch nur in Ansätzen als Diskussionsvorschlag zur Debatte, oder wäre eine klare Richtung in Sachen europäischer Finanzpolitik erkennbar – manch ein unterbezahlter Arbeitnehmer würde vielleicht Hoffnung schöpfen und eventuell sogar zur Wahl gehen. So gewinnt man Stimmen. Mit der Neujahrsansprache 2011 hat die Bundeskanzlerin die Chance leider vertan. -dh-

Hanse Sail-Nachlese 2007: Wirklich schon genug geschifft?

Die allgemeine Schwärmerei über die Hanse-Sail setzt in der Regel ein, kaum dass diese in den letzten Zügen liegt. Die ersten, sich von Lob überschlagenden Meldungen liegen uns schon seit Samstag vor! Wer zählt eigentlich die Besucher? Ich war auch dort, bekam aber keine Anwesenheitsliste zu Gesicht. Hätte ich meine Initialen in irgendeine Bootsmast schnitzen sollen? Wie läuft die Volkszählung auf solchen Veranstaltungen ab? Wird die Anzahl der verkauften Grillwürste mit den verkauften Karussellkarten addiert? Ich gestehe, ich habe keine Ahnung.

Aber was in erster Linie unter dem Strich zusammengerechnet wird, sind tatsächlich die Einnahmen. Es interessiert letztlich nur aus wirtschaftlicher Sicht, wieviel Besucher sich den Kai des Stadthafens entlang drängten, vorbei an den zahlreichen Imbiss-, Getränke-, Grill-, Handlese-,Gemüsehobelvertriebs- und anderen Buden. Der Besucherrekord wird somit herbeigerechnet, aber wenn am Wochenende nichts weiter los ist in Rostock – wo soll der Spaziergang denn sonst hinführen?

rockkonzertDie Schiffe an den Liegeplätzen im Stadthafen avancieren nur noch zum schmucken Beiwerk. Das bestätigten mir auch Besucher aus Berlin, die das ähnlich empfanden. Wer eine Fahrt ergattern konnte, der verschwand schnell auf dem Boot und ließ so die Menschenansammlung und die kilometerweit zu hörenden Wolfgang Petry Hitmixe hinter sich, soweit das möglich war und man die nicht ohnehin bis Warnemünde gehört hat.
Und das alles soll zum Imagegewinn beitragen? Reiernde, pardon, feierende Jugendliche, glücksselig zu Udo Jürgens schunkelnde ( zugegeben charmante) Mittsechzigerinnen, Erzgebirgische Puppenspieler, Gemüsehobelvertriebsbeauftragte, na gut, und ein paar Segelschiffe?

SEDOVmatroseWas allerdings Puppenspieler aus dem Erzgebirge und Zauberer aus Sachsen thematisch mit der Hanse Sail zu tun haben, erschließt sich freilich nicht jedem auf Anhieb. Und wohin geht Papa, wenn er sich einen neuen Subaru kaufen will? Natürlich- auch zur Hanse-Sail. Und während der Junior zehn Runden Karussell fährt und die Mama von einem fremden Mittfünfziger zur „Jugendliebe“ von Ute Freudenberg aufgefordert wird, kann Papa zwischen zwei Grillwürsten schnell ein Auto kaufen, bei freenet DSL ergattern, oder zu geradlinigem gut gemachtem Rock auf der LOHRO-Bühne beherzt in die Luftgitarre greifen, bevor Mama sich aus der Hand lesen lässt, dass sie die Scheidung will, wovon sie bislang noch nichts wusste, weswegen sie sich flugs ein neues Türschild gravieren lässt an der Bude nebenan, man muss ja vorsorgen… Was das mit Seefahrt zu tun hat? Egal. Es gab doch irgendwo in dem Kioskspalier ein paar Infostände und diverse Souvenirs aus der Seefahrt zu ergattern, und damit meine ich auch Fischbrötchen – also bitte!
Und was um Himmels Willen haben laut musizierende lederbehoste Volksmusikanten auf einem Schiff zu suchen, wenn zehn Meter weiter auf einer Bühne gerade verschärft gerappt wird, dass die Bässe dröhnen? Die Besucher wurden stellenweise von drei Musikquellen laut berieselt – ein Wunder, dass da so mancher noch mit dem Handy telefonieren konnte. Die Organisation tat hier offensichtlich nur das Allernötigste.
So blieb man auch bei dieser Hanse Sail unter sich, statt sich weltoffen zu präsentieren und vielleicht mal im Vorfeld auch bei neuen künftigen Teilnehmern, die zum nautischen Grungedanken des Festes passen, die Werbetrommel zu rühren, selbst wenn diese geografisch nicht buchstäblich um die Ecke liegen. Die üblichen Verdächtigen waren mit von der Partie, denn es galt, niemanden zu vergessen und alte Beziehungen zu pflegen.

Traditionen sind natürlich eine schöne Sache, zugegeben. So war es bemerkenswert, dass OB Methling sich sehr für die SEDOV einsetzte, die am Sonnabend Abend in Warnemünde einlaufen konnte, nachdem sie in Polen zunächst keine Erlaubnis zum Auslaufen erhalten hatte. Aber den Gedanken der Hanse-Sail sollten wir nicht aus den Augen verlieren. Es geht um die Seefahrt, um maritime Verbundenheit mit anderen Seefahrernationen, und nicht um Besucherzahlen und Commerz – zumindest nicht in erster Linie.
An Ideen würde es nicht mangeln, die Hanse Sail von einem Volksfest zu einem wirklichen Aushängeschild zu machen. Caipirinha und Schmalzkuchen zu humanen Preisen, dazu Andrea Berg und die Puhdys aus der Konserve machen noch kein wirklich weltoffenes Seefahrtsevent. Für diese Art Fete gibt es schon den Ballermann. Der verzeichnet im Sommer ebenso Besucherrekorde wie die Hanse Sail. (c) für mvregio geschrieben am 12.08.2007