Archiv der Kategorie: Kurzgeschichten

Leseprobe aus dem Leuchtturmkrimi veröffentlicht

Auf der Unterseite dieses Blogs für Leseproben habe ich eine kurze solche aus dem (schon so lange) entstehenden Leuchtturmkrimi hinzugefügt. Die auch schon überfällige Kurzgeschichte auf Stichwort (VERSCHIEDENHEIT) ist in Arbeit und erscheint leider frühestens als nächste Sonntagsgeschichte. …   Einer der Gründe ist auch eine zu Grunde liegende Idee, die es verdient, nicht nur in aller Kürze erzählt zu werden.

Sonntagsgeschichte (11) Als der Kaffee alle war (2)

Victor lachte. Sein Schwager Ivo war so witzig, wusste trefflich zu unterhalten und verfügte über einen trockenen Humor. Auch Vera, Victors Frau schien sich zu amüsieren, denn sie lächelte fortwährend. Victor hätte sich noch vor zwei Jahren in Rumänien nicht träumen lassen, dass er mit einer deutschen Frau eine glückliche und harmonische Ehe führen würde. Lange stand nicht fest, ob er in Deutschland bleiben würde. Ivo hatte ihm beim Umgang mit den Behörden sehr geholfen. Und heute, an Veras Geburtstag, feierten sie auch Victors unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Sie saßen auf der Veranda und der Grill neben ihnen war nun endgültig aus. Satt und zufrieden lehnte sich Ivo zurück.
„Habe ich nicht gut gegrillt?“ Victor bestätigte das. Er genoss es, mal nicht nur Essen bringen zu müssen, sondern auch mal selbst gut essen zu können. Vera kam aus dem Haus und brachte den beiden Männern ein Bier.
„Teilt euch das ein bis zum Kaffee, Jungs“, scherzte sie und lächelte wieder. Victor wollte auf ihre spaßig-belehrende Art eingehen, da vibrierte sein Handy. Das war das Zeichen dafür, dass er eine Nachricht erhalten hatte.
Ivo nahm ihm das Telefon aus der Hand und schaltete es ab.
„Jetzt feiern wir, Schwager. Du bist nicht auf Arbeit hier, heute ist kein Stress für uns.Prost!!“ Und er hob die Flasche zum Zeichen, dass Victor anstoßen sollte.

Einen Moment lang hatte Victor tatsächlich an die Gaststätte gedacht, wo er derzeit einen Aushilfsjob als Kellner ausübte. Heute sollte dort eine Reisegruppe ankommen. Dass er heute den Geburtstag seiner Frau feiern würde und deshalb frei machte, war dort bekannt. Schnell hatte er daher die SMS vergessen. Außerdem war das Handy nun aus und Victor bereits in ein Gespräch mit Ivo über deutsche Autos und deutschen Fußball vertieft.

14:32 Uhr. Anna hatte zwischendurch die Zeit gefunden, Victors Handynummer zu wählen. Niemand ging ran. Gleich würden die Busse ankommen. Ob die Chefin noch rechtzeitig genug Kaffee auftreiben konnte? Eine junge Frau kam auf sie zu, als sie an der Kasse die Bons durchsah. „Nehmen Sie auch Praktikantinnen? Ich bin Studentin….“
„Wie heißt du?“, fragte Anna unvermittelt.
„Sarah. Ich würde gern so für eine Woche oder so etwas Erfahrung…“ Weiter kam sie nicht. Anna nahm sie beiseite.
„Sarah, freut mich. Ich bin die Anna. Eigentlich entscheidet das die Frau Herbst, das ist die Inhaberin. Aber wir haben gerade einen kleinen Engpass… Wenn du etwas Zeit hast, hilf mir ein wenig, bis die Frau herbst wieder da ist, okay?“
Die junge Frau wich irritiert eine Schritt zurück.
„Ähm…jetzt? Aber ich habe doch noch keine Unterlagen mit…“
„Später, Sarah. Willst du? Das Angebot steht. Ansonsten muss ich schleunigst weiter machen. Ich brauche jemand, der unsere Moccatassen aus dem Schrank räumt und kurz abspült. Gleich kommt eine Reisegruppe, und ich will denen unseren Supermocca kredenzen.“ Diese Idee war Anna gerade eingefallen. damit würde der letzte Kaffee etwas länger reichen. Nun würde es kommen, wie es kam.

14:45 Uhr. Das Telefon neben der Kasse klingelte. Sarah, die das Angebot Annas angenommen und mit der Arbeit als Praktikantin in spé begonnen hatte, nahm auf ein Zeichen von Anna hin den Hörer ab. Der Mann am anderen Ende sprach gebrochenes Deutsch.
„Du mich angerufen, Anna?“ fragte er. Sarah wollte schon auflegen, dann aber erkundigte sie sich nach dem Namen. „Hier ist Victor. Ich kann nicht kommen, Frau hat doch Geburtstag. In SMS stand, ihr habt angerufen. Ist dringend?“
„Ähm… ich schätze schon. Ich bin Sarah, die Praktikantin.“
„Obudev, Victor. Ich Oberhilfe.“ Das sollte Hilfskellner heißen, klang aber witzigerweise irgendwie verantwortungsvoller.
„Wer ist dran?“, fragte Anna im Vorbeigehen.
„Ein Victor.“ Sie riss Sarah den Hörer aus der Hand. „Victor, hast du gestern oder vorgestern Vertreterbesuch gehabt? Der Kaffeevertreter ist nicht gekommen – Mensch, wir brauchen Kaffee!“
Victor musste überlegen. Er war schon ein wenig beduselt vom Geburtstagsbier mit Ivo und machte Anna mit seiner langsamen Art zu antworten, extrem ungeduldig.
„Komm zum Punkt, ich weiß, du feierst heute, aber du wirst dich doch noch erinnern können?“
„Nee, war niemand da, kein Kaffeebringer.“
„Wo zum Teufel steckt der denn?“
„Ist vielleicht hoher Stau irgendwo, ich denke…“
„Quatsch. Gestern, er sollte gestern kommen – spätestens!“ Anna begriff, dass sie Victor nicht mehr entlocken konnte. Weil er getrunken hatte, würde er auch nicht ins Auto steigen und herfahren können. Egal, ein Versuch war es ihr wert:
„Victor, könntest du in ein Taxi steigen und kommen – nur für eine Stunde oder zwei? Deine Gäste werden dir hoffentlich so lange erhalten bleiben… BITTE!“
„Och geht nicht, Frau hat doch Geburtstag, und habe ich Haus voll Leute hier! War beantragt heute frei!“ Hätte ja sein können, dachte Anna stirnrunzelnd, murmelte einen Glückwunsch für Victors Frau in den Hörer und ging wieder an die Arbeit. Er wäre ohnehin zu spät hier angekommen….

14:51 Uhr. Die Chefin raste durch die Einfahrt auf den Hof. Verschwitzt und mit verschmierter Schminke im Gesicht, aber lächelnd stieg sie aus und lud die zwanzig Kilopackungen Kaffee aus. Noch während sie das tat, kam der erste von zwei Reisebussen vor dem Kaffeehaus auf dem Parkplatz an. Der Busfahrer avisierte Anna, es seien siebzig statt sechzig Fahrgäste. Das ginge nicht, erklärte Anna, wenigstens nicht sofort, sie müsse noch zehn Plätze vorbereiten und eindecken. Von dem Kaffee-Dilemma wollte sie nichts sagen. Sie schlug dem Busfahrer und der nun auch anwesenden Reiseleiterin vor, den Gästen erstmal einen Spaziergang anzutragen, es sei eine schöne Gegend hier. Gerade schwärmte sie von einer kleinen alten Kirche zwei Kilometer weiter, als die Chefin hinter dem Tresen erschien, ihr zunickte und den Daumen hob.

„Der zweite Bus kommt auch gleich. Genügen Ihnen so… fünf bis zehn Minuten Zeit? Sonst kommen wir mit unserem Zeitplan durcheinander.“ Nach meinem Zeitplan fragt auch keiner, dachte Anna, machte aber gute Miene zum bösen Spiel. Immerhin war nun Kaffee im Haus. Nun waren sie auch wieder ein richtiges Kaffeehaus. Zusammen mit Sarah machte sie sich dann an die Arbeit und zählte zunächst die freien Plätze. Würden die reichen für zehn weitere Reisegäste? Und was, wenn die nicht zusammen sitzen konnten?

****
„Wer war das? War das nicht für mich?“ Victors Frau war neugierig, mit wem ihr Mann da telefonierte und witterte eine weitere Überraschung. Doch Victor winkte ab. Irgendwie war die Stimmung nun dahin, fand er. Und im Kaffeehaus saß nun eine Reisegruppe ohne Kaffee… Es ließ ihn nicht in Ruhe.
„Wann gibt es Kaffee?“, fragte Ivo und hatte damit das Stichwort geliefert.
„Gar nicht, Kaffee ist alle.“ Vera Lehmann-Obudev sah ihren Mann verständnislos an. Es sei ihm so rausgerutscht, entschuldigte er sich und ergänzte: „Habe ich telefoniert mit Arbeit – Chaos dort, Kaffee alle, viel Gäste….“
„Ein Café ohne Kaffee?“ Ivo fand das komisch.
„Kaffeehaus. Chefin Frau Ilona sagt, ist nicht dasselbe wie Café.“
„Und… aber es ist doch nicht deine Schuld?“
„Nein, aber ich muss hin und helfen….ich mag nicht Kaffee hier trinken, und Gäste dort nicht… Fahr ich hin und gucken, wo helfen geht, ihr trinkt Kaffee, und ich rufe an und komme dann wieder. Kann nicht feiern mehr.“
Dagegen aber legte die Spaßkanone Ivo Veto ein.
Aber Victor war nicht dazu zu bewegen, den Anruf zu vergessen. Vera hingegen kannte ihren Mann und wusste, wenn er nicht fuhr, war die Stimmung erst recht im Eimer. „Wir kommen mit, und wenn alles gut ist, trinken wir eben dort Kaffee und feiern dort weiter. Da gibt es doch auch Kuchen, oder?“ Victor nickte und gab seiner Frau einen Kuss auf die Wange.
Ivo wollte wissen: “ Und wer fährt?“
Aber Victor telefonierte bereits mit einem Taxi-Unternehmen in der Nähe.

15:07 Uhr. „Anna, was ist nun mit dem Kaffeeonkel? Ist der immer noch verschollen?“ Die Kellnerin beantwortete die Frage der Chefin mit einem Kopfnicken. „Gut, dann ist sein Laden raus bei uns.“ Ilona Hecht beschloss, am nächsten Tag die Geschäftsbeziehung telefonisch zu beenden. Solche unzuverlässigen Partner brauchte niemand. Jetzt aber machte sie sich daran, die Kaffeeautomaten vorzubereiten. Dafür hatte sie sich bei Anna aber etwas Zeit ausgebeten – das ging nicht so schnell. Die war angesichts der scheinbar gelösten Katastrophe dankbar und sagte, sie würde sich schon so lange zu helfen wissen.

Ein Kombi der Mittelklasse bremste mit quietschenden Reifen auf dem Parkplatz des Kaffeehauses. Der so schwer vermisste Kaffeevertreter Rolf Buchert, ein korpulenter Mittvierziger mit schwarzem Anzug und Pomade in den Haaren betrat mit einem Arm voll Werbegeschenken die Gaststätte. Überrascht von den vielen Leuten, die eben im Begriff waren, Platz zu nehmen, zögerte er einen Moment, lächelte dann und marschierte als er Ilona Hecht erblickte, auf die Bar zu, hinter der sie gerade an einem der Automaten hantierte. Was nun folgte, hatte er so nicht erwartet.

„SIE? Sie sehen doch, ich habe das Haus voll und zu tun. Immerhin muss ich mir ein Zentner Kaffee aus den Rippen schneiden! Bringen Sie jetzt erst etwa den bestellten Kaffee?“
„Liebe, sehr verehrte Frau Hecht…“
„Ich bin nicht Ihre Liebe…Und bevor sie mit dem Ausliefern anfangen – “ Ilona Hecht holte sich sarah heran, da Anna gerade beschäftigt war – „…nur dass ich einen Zeugen habe. Unser vereinbarter Termin war wann?“
„Gestern zehn Uhr spätestens, aber lassen Sie sich doch…“
„Aha. Bevor Sie sich nun einen Zopf an die Lippe reden, storniere ich hiermit die Bestellung, da ich keinen Bedarf mehr habe und Sie den Liefertermin nicht eingehalten haben. Ich werde Regressansprüche an Ihr Unternehmen stellen, falls es bei einem der heutigen Gäste auch nur im Ansatz zu einer Beschwerde kommt. Und Sie möchte ich hier nicht mehr sehen! guten Tag, Herr Wuchert!“
„…Buchert! Aber ich wollte doch…“ Die immer noch erboste Chefin ließ ihn nicht ausreden.
„Mir egal, was Sie wollten – oder wollten Sie ihr Telefon zur Abwechslung mal einschalten? Damit man Sie erreicht?“
„Ich habe auch als Wiedergutmachung eine Bonuspackung Ihrer Sorte „Arabica Wonder“ dabei – und natürlich noch einiges mehr…Ich habe vorgestern abend einen Unfall gehabt – nur Blechschaden, aber eben kein Auto, vorübergehend. Es tut mir leid.“
Ilona Hecht blickte nun auf.
„Mir tut es auch leid. Aber Sie kennen schon Ihre Termine und wissen, wie das im Geschäftsleben so läuft, oder? Ich meine, Sie hätten hinterher noch ein Telefon bedienen können, oder? Oder wenigstens gestern… Nee, Schluss jetzt: Nehmen Sie Ihre Souvenirs wieder mit und gehen Sie. Wir arbeiten bereits mit einem Mitbewerber… Ich kann da keine Rücksicht nehmen. Und nun habe ich zu tun!“

Wie ein begossener Pudel zog Buchert wieder ab. „Und du bist die Sarah?“ Ilona mussterte die Praktikantin und fand sie soweit ganz sympathisch und freundlich. Das Mädel könnte mal eine freundliche Bedienung werden, dachte sie. Alles weitere würden sie später besprechen müssen, erklärte die Chefin der Praktikantin. Ilona Hecht atmete auf. Da hatte Anna Glück gehabt, dass ihr in der Stunde höchster Not kein Hallodri als Bewerber begegnet war. Aber künftig würde sie sich solche Entscheidungen vorbehalten.
Das musste Ilona mit Anna später noch genauer klären.
Der Buchert tauchte nochmal auf. Mit zerknirschtem Gesicht stellte er zwei Kilopackungen „Arabica Wonder“ vor Ilona hin.
„Wie dem auch sei – es tut mir wirklich leid. Und die hier möchte ich Ihnen als meine persönliche Entschuldigung da lassen.“
„Wieviel Kaffee haben Sie denn mit?“
„Na, die ganze Bestellung – einen halben Zentner…“ Ein Hoffnungsschimmer spielte um Bucherts Gesicht.
Ilona beugte sich ihm entgegen. “ Sie werden verstehen, dass ich die ganze Bestellung nicht mehr benötige. Zwanzig Kilo können Sie abladen, mehr geht nicht. Aber ob ich mich nochmal melde – ähm… gehen Sie mal nicht davon aus. Sie haben für sehr viel Stress und graue Haare gesorgt. Das war nicht professionell, Herr Buchert. Verstehen wir uns?“
Ilona Hecht wusste genau, dass sie der Kunde war und im Moment am längeren Hebel saß.
Sie wollte jetzt damit beginnen, immer eine Reservemenge an Kaffee im Lager zu haben – für Fälle wie diesen. Deswegen lenkte sie ein – nur ein wenig, nicht zu sehr. Böse war sie dem Buchert, diesem Kaffeeonkel immer noch.

Das alles hatte sich abgespielt, während Anna schon die ersten Bestellungen entgegen nahm und den Gästen erstmal erklärte, dass es nur heute den neuen „Super-Mocca“ gab, ein Muss für jeden Kaffeetrinker. Ihr Gedanke war, dass sie normalen Filterkaffee in Mokkatassen anbieten würde und so erstmal ein Auskommen mit dem Kaffee gesichert sein dürfte.

In der Tat war die Neugier bei den Reisegäste nun geweckt, und „herkömmlichen“ Kaffee bestellte zunächst niemand. Nun musste Anna ihr Rettungskonzept der Chefin erklären – denn Ilona hatte gerade die Mokkatassen entdeckt, die bereit standen und auf Inhalt warteten.
„Deine Mocca-Strategie ist eigentlich Schmuh. Aber Ideen hast du ja, Anna. Wenn ich so weit bin, erklären wir den Leuten, der Mocca sei alle, wegen der Nachfrage. Bis dahin schenke meinetwegen deinen Super-Mocca aus. Laufen alle kaffeeautomaten, dann gibt´s eben wieder richtigen Kaffee wie immer. Aber künftig, ohne Not, sprich das gefälligst mit mir vorher ab, hörst du? Vorher!“
Damit gab sich Ilona Hecht zufrieden. Nach zehn, elf ausgeschenkten Super-Mocca würde wieder alles sein wie früher, dann war wieder Kaffee im Sortiment. Es würde schon gut gehen.

Doch einer der Gäste, die den Super-Mocca bestellten, war der immer noch anwesende Beamte Kastmann vom Gewerbeaufsichtsamt. Nach dem ersten Schluck rümpfte der die Nase und winkte Sarah, die mitkellnernde Praktikantin zu sich.

15:15 Uhr. Der zweite Reisebus traf ein, zusammen mit einem Taxi, dass auf dem Parkplatz anhielt. Victor, Vera und Ivo stiegen aus und gerieten mitten in einen Pulk aussteigender und herumstehender Reisender. Alle strömten durch die Eingangstür in das Kaffeehaus. Hoffentlich bleiben wir zusammen, dachte Vera und suchte in der Menge ihren Mann.
Victor war bereits auf dem Weg zur Bar und stellte vor Anna, die mit Mokkatassen klapperte, vier Packungen „Kuba Bohne Premium“ auf die Theke. Anna blickte auf, sah den Kaffee und wischte sich lächelnd mit dem Handrücken den Schweiß ab.
„Victor! Das ist so nett von dir, aber das ist nun nicht mehr nötig…“
„Haben angehalten an Kaffeeladen, die hatten kein Arabica… Taxifahrer hat uns den hier empfohlen. Soll nur Resereve sein.“
„Und deine Gäste? Feierst du nicht?“
„Alle hier!“ Victor drehte sich um, seine Augen suchten umher.
„Wir wollen hier feiern, und ich kann helfen, wenn es sein muss…“
Ilona kam von einem der Tische mit leeren Mokkatassen und Kuchenteller auf einem Tablett.
Ihr Blick war besorgniserregend und hellte sich auch nicht auf, als sie Victor gewahr wurde.
„Das gibt noch Ärger. Als wenn wir noch nicht genug um die Ohren haben…“ Die Chefin war von Kastmann herbeizitiert worden und hatte eine saftige Beschwerde über den „wohl dünnsten Mokka der EU“ entgegen nehmen müssen.
Dafür hatte sie ihm einen Kaffee gratis spendiert und Sekunden lang mit dem Gedanken gespielt, ihm die wahren Umstände zu erläutern.

Victor und seine zwei Gäste feierten in einer hinteren Nische an einem versteckt liegenden Vierertisch und bekamen Kaffee und Kuchen frei – denn Ilona Hecht wusste seinen Einsatz durchaus zu schätzen, und einmal musste er auch kurz einspringen und die Stellung an der Kaffeebar halten, denn Sarah war unterdessen nach Hause gegangen. Auch sie hatte gut gearbeitet und Anna viel Arbeit abgenommen.

Ein Nachspiel seitens des Beamten Kastmann gab es in der Tat noch, aber anders als von Ilona Herbst befürchtet.
In den folgenden Tagen suchten mehrere Vertreter für Mokka-Kaffee und Mokkageschirr sowie für Espresso-Automaten das Kaffeehaus auf. ©2006

Ende

Sonntagsgeschichte (10) „Als der Kaffe alle war“ (1)

Als der Kaffee alle war

coffee-994840_640sonstige_049„Wir haben noch weitere Anmeldungen, drei Tische sind reserviert für morgen.“ Die Kellnerin Anna legte ihrer Chefin Ilona Hecht das Reservierungsbuch vor. „Und dann noch die Reisegruppe, na dann mal los“, entgegnete die nur. Das klang nicht wirklich so motivierend, wie es gemeint war. Ilona Hecht hatte diesen runden Teepavillon wie ein Schmuckstück hergerichtet – Wolkenstores an den Fenstern, milchkaffeefarbene Wände, schmiedeeiserne Garderobenständer mit Zeitungshaltern und auf alt getrimmte Bistrostühle ergänzten den frischen Duft von geröstetem Kaffee, der hier fast immer in der Luft lag. Der Gast sollte gar nicht anders können, so Ilona Hechts Vision, als Kaffee zu bestellen.

Sonntagsgeschichte (10) „Als der Kaffe alle war“ (1) weiterlesen

Der erkrankte Sommer

Der Sommer lag dick zugedeckt im Bett und nieste. Er wäre eigentlich mit seinem Jahreswetterdienst dran gewesen, musste die Arbeit aber unterbrechen und sich vom Herbst vertreten laassen. Der wiederum war damit überfordert, konnte er doch nur Stürme machen und Regen, oder zumindest dafür sorgen, dass die Luft richtig abkühlte.
Wenn die Menschen vor Kälte bibberten und zitterten, dann war er es zufrieden und betrachtete seinWerk mit Genugtuung.
Aber wie nur sollte er für sommerliches Wetter sorgen? Wie ging eigentlich Hitze? Weil der Frühling gerade erst in in seinen Jahresfeierabend gegangen war und der Sommer nur kurz arbeiten konnte, bevor ihn die Erkältung heimgesucht hatte, war keine Zeit für eine Einweisung gewesen.

Natürlich hatte der Herbst sich sofort bereiterklärt, dem kranken Kollegen zu helfen. Irgendein Wetter musst es schließlich geben, da hatten die Menschen und die Natur ein Recht drauf. Nun also stattete der Herbst dem kranken Sommer einen kurzen Besuch ab, um sich Tipps zu holen.
„Du musst einfach milder sein als sonst.“, begann der Sommer mit krächzender Stimme.
„So als wenn du in deinem Dienst keine Lust hast und weder Regen noch Wind anrührst.“
„Aber darf ich dann wenigstens das Laub anmalen?“
„Nein, bring doch nicht alles durcheinander. Das Laub muss doch erst genug Sonnenlicht tanken. Heb´dir das für deinen eigenen Jahreswetterdienst auf, also wenn du laut Kalender dran bist.“
Der Herbst überlegte. Etwas Graupel und Hagel müsse doch möglich sein, entgegnete er und sah den Sommer gespannt an.
„Nieselregen, meinetwegen. Aber Graupel und Hagel, das mach mal lieber später. Und wenn du wieder mit den Wolken irgendwelche komische Figuren formst am Himmel – denk bitte daran, dass du vorsichtig bist mit dem Wind. Kein Sturm, und schon gar kein Orkan oder Hurrikan, klar?“
Au ja, Hurrikan, ich liebe diese Wirbelstürme, dachte der Herbst. Aber er versprach dem Sommer, sich große Mühe bei seinem Vertretungswetter zu geben. Und doch – diese Windgeschichte liess ihn nicht los. Daran hatte er schon immer großen Spaß gehabt.

Hui, wie alles durcheinander gewirbelt wurde: Bäume, Autos, Tiere, manchmal sogar auch Menschen – alles flog durch die Luft und drehte sich dabei wie in einem Strudel… Das sah zu komisch aus… Das passte doch zum Sommer. Der müsste sich viel mehr trauen, dachte der Herbst. Immer nur Sonne, das ist langweilig und auch gar nicht gut für die Natur. Menschen und Tiere trinken viel mehr, und dadurch wird das Wasser knapper. Das ist überhaupt wahr: Und wenn dann noch die Sonne das wenige Wasser verdunsten lässt – nicht auszudenken!

Also, beschloss der Herbst insgeheim, es wird ein feuchtes Vertretungswetter geben. Der Sommer kann es ja auf mich schieben, aber er war sich sicher, er handele verantwortungsbewusst.

Der Frühling hingegen, dem er sein Vorhaben offenbarte, war entsetzt. „Dafür habe ich nicht das Feld geräumt. Ich habe die Pflanzen sprießen und die Vögel aus dem Süden wiederkehren lassen, und jedes Jahr wird es schwerer, dafür zu sorgen, dass die Menschen wieder mit erhobenen Köpfen und freundlichen Gesichtern umherlaufen – und dann willst du das alles wieder zunichte machen?“, erregte er sich.

„Das hätte der Sommer auch getan, so krank wie er jetzt ist.“, verteidigte sich der Herbst. Dass das so nicht stimmte, wusste er nur zu gut. „Schmeiß einfach nicht so viel Wolken und Wind in die Welt, wie du es sonst immer machst, wenn du mit deinem Dienst dran bist. Zum Sommerwetter gehört Sonne.“

„Ja meinetwegen. Aber das wird doch langweilig. Ich hasse es, wenn die Luft so flirrt und die Hitze wie ein schweres Tuch auf dem Land liegt. Da muss Action her, Sturm, oder Regen, wenigstens mal ein kräftiger Nebel… da kriegt das Wetter doch Profil, da wird es erst Wetter. Verstehst du, Frühling?“

Nein, der Frühling verstand nicht. Aber er vermochte diesen Dickkopf nicht umzustimmen. Also waltete der Herbst seines – oder besser – des Sommers Amtes und setzte dessen Vertretung fort.

Und wir wissen nun also auch, warum dieser Tage das Wetter so ist, wie es ist: Den armen Sommer trifft also keine Schuld. Und den Frühling auch nicht. Der Winter übrigens hat sich aus allem herausgehalten – für ihn sind die anderen drei Kollegen Weicheier. ©2016

Wie spannend ist Urlaub ohne Verreisen?

DSCF7398Wer nicht wegfährt oder verreist und daheim Urlaub macht, dem kann man nur empfehlen, der Bewegung wegen abends spazieren, joggen oder zumindest raus zu gehen. Urlaub am Schreibtisch kann kreativ sein, wenn man Autor ist und sich so gedanklich und nicht finanziell verausgaben will. Aber Bewegung ist gesund, und die hätte man im Urlaub auch, soweit es sich nicht um eine Dauerbusfahrt mit Inklusivprogramm handelt. In meinem Fall halte ich es auch nie mehr als zwei, drei Stunden nonstopp am Schreibtisch aus. Bevor ich am Rechner oder Schreibblock einschlafe kommen mir meistens meine Füße zuvor. 🙂

Über so einen Urlaub zu erzählen und ihn möglichst abwechslungsreich zu schildern, auch wenn nicht allzu viel Action darin vorkommt, das versuche ich in meiner bald erscheinenden nächsten, diesmal etwas längeren dh-Heftgeschichte… Bin bereits dabei, sie festzuhalten. Bei einer Lesung lassen sich diese Hefte hoffentlich gut zum Verkauf präsentieren…

Neues Cover für erstes dh-Heft

dddddddSo- zurück mit neuem Cover, besserer Schrift und weniger – eigentlich gar keinen – Fehlern: Die erste Kurzgeschichte im Groschenromanheft. Ab einer Bestellmenge von 100 Stück rechnet es sich besser, deswegen spare ich jetzt, um dann mal 100 Stück zu bestellen, die ich dann günstiger anbieten kann. Vielleicht werde ich die Hefte dann mal auf einem Flohmarkt anbieten? Unabhängig davon habe ich erstmal genug davon bestellt, um die schon verlosten und verkauften  Exemplare – ja, ich habe auch schon welche verkauft – zuschicken zu können.  Nun wäre doch ein eigener Web-Shop recht hilfreich… Derzeit kosten sie 2,49€ pro Stück. Wenn die Nachfrage da wäre, würde sich der Preis weiter reduzieren  – auf ca. glatte 2,00 €uro. (Das sind immerhin 4 DM, oder 40 Mark der DDR 🙂 ) 

Neue Reihe startet – Kurzgeschichtenheft Nr. 1 erhältlich

ini1Ganz leicht zu erkennen sind die groschenheftähnlichen Episoden an diesem Zeichen auf dem Cover. Die Hefte sind erhältlich im Online-Buchhandel und auf epubli. Nun endlich gibt es das erste Heft für 2,49€. Dieses Format eignet sich gut für „zwischendurch“: Nicht zu lang, taschenfreundlich, sehr günstig. Sporadisch, aber in nicht zu langen Abständen sollen weitere dh-Hefte folgen, zunächst bis zum Ende des Jahres. 

UPDATE: Das erste Heft „DIE OBSTFÄLSCHERIN“ gibt es noch nicht online, da epubli mit der Preisgestaltung und der knappen Kalkulation ein Problem hat. Werke in Heftbindung sollen laut epubli entweder kostenlos veröffentlicht werden – oder zu einem Mindestverkaufspreis von 6,99€. Ein anderer Preis lässt sich nicht einstellen, ich suche noch nach Alternativen. Möglicher weise scheitert mein Projekt ja – ich halte euch auf dem Laufenden.

Fantasy – Mischung aus Fiction und Fakten?

scr-wallpaper-7_800Will man als Autor oder Schriftsteller glaubhafte Begebenheiten erzählen, so wie sie sich wirklich zugetragen haben (könnten), gehört in bestimmten Genres das Recherchieren dazu. Zukunftsgerichtete Geschichten, die also lange vor unserer Zeit spielen, kommen nicht ohne ein gerüttelt Maß an Fantasie aus, sollten aber essenziell realistische Bedingungen, Fakten und Ereignisse beinhalten. So erleichtert der Autor dem Leser das zeitliche Einordnen, das glaubhafte Nachvollziehen und die Identifizierung mit den handelnden Personen. Diese Balance habe ich z.B. noch nie so richtig ausprobiert – genau genommen, bin ich gerade dabei. In meiner Vampirsatire, die sich derzeit in Arbeit befindet, verbiege ich die Wirklichkeit derartig, dass die Grenze zur Absurdität fast überschritten wird…  Geschichten über fremde Welten und Fabelwesen, die scheinbar keinen Bezug zur Wirklichkeit oder wenigstens zu unserem Dasein haben und jeder Welt entrückt scheinen, weil sie komplett aus Fantasie im Wortsinne bestehen, werden mich als Leser nie begeistern.  UNd wenn der Bezug nur darin besteht, dass die Erde oder das Universum nur einmal drin vorkommt, wie auch immer – irgendeinen vertrauten Bezugspunkt benötigen wir als Lesende auf jeden Fall.

blutbankneu2Und weil ich davon möglichst viele in die Vampirgroteske „DIE BLUTBANKRÄUBER“ einbringen möchte – inzwischen lief übrigens schon mal ein Film mit einer ähnlichen Idee wie der meinen im TV, aber was soll´s  – wird deren Bearbeitung noch bis weit in den Sommer hinein dauern. Denn ein zeitreisender, Vampire behandelnder Arzt – das hat die Handlung dann doch etwas verkompliziert. Mehr verrate ich noch nicht. (Einige kennen die Geschichte ja bereits, weil sie verfolgen konnten, wie sie auf BookRix nach und nach entstanden war.) 

Lesetipp und eine Idee aus dem letzten Jahr

weihnoUnd dann war da noch ein Weihnachten ganz anderer Art:

neujahrsbeschergFür 99ct erfährt man hier, dass auch allein lebende Menschen durchaus turbulente Weihnachten erleben können. Aber um diese Geschichte zu genießen, muss man Weihnachten nicht lieben…. Denn harmonisch zusammensein kann man auch den Rest des Jahres.  Diese KG lehrt: Auf Biegen und Brechen geht Familie schon mal gar nicht.  

Ein Prota hüpft von KG zu KG…

caaoverpic3dIn dieser Kurzgeschichte ( siehe „Veröffentlichungen“) lernen wir den etwas naiven, aber von sich überzeugten Kleinfred Wechselmann kennen. Er ist der erste Protagonist, den ich von Kurzgeschichte zu Kurzgeschichte schicken werde. Derzeit verschlägt es ihn beruflich aus Geldingen wo er zunächst in einer Bank, dann bei einer Versicherung kläglich versagte arbeitete, in eine Stadt namens Sterbeberg-Trauerfeld.  Dort muss er buchstäblich nochmal von unten anfangen. Tief gesunken ist er, und das nicht nur, weil er in seinem neuen Job mitunter knietief in feuchter Erde steht – denn jetzt ist er städtischer Grabpfleger, also Totengräber – sondern auch, weil er sich immer noch als Ex-Führungskraft im Management der Dienstleistung wähnt und seine Autorität wie einen Bauchladen vor sich her trägt. So kommt es, wie es kommen muss: Er wird missverstanden, schief angeguckt und zum Gegenstand mancher Lästerei…  Wieder mal.

cover plaschke2Deswegen und weil es noch viel mehr über diesen seltsamen Menschen und Leute die ihm begegnen zu erzählen gibt, hat dieser fiktive Charakter, der Kleinfred, der Wechselmann, eine eigene Facebook-Projektseite erhalten.

Noch existiert nur die obige KG – bald jedoch erscheint „Der Boshafte Verblichene“ als Verlags-Printausgabe im Karina-Verlag. Dort geht es dann unter anderem um Wechselmanns ereignisreiche Zeit in Sterbeberg-Trauerfeld.