Archiv der Kategorie: Kurzgeschichten

Reiseblogger Alwin macht sich auf ins Abenteuer

In der ersten Oktoberwoche, die nun bevorsteht, habe ich mir das konkrete Schreibziel gesetzt, den ersten Teil der geplanten mehrteiligen Fortsetzungsgeschichte, die nur hier erscheinen soll, zu vollenden. Etwas gespoilert hatte ich ja jüngst. Diese und andere hier schon früher geäußerte Ideen will ich nicht umsonst angekündigt haben, soll heißen, ich arbeite an deren Umsetzung. Leider muss ich dadurch aber auf eine Gruselgeschichte, die sich zu Helloween ja immer anbietet, verzichten.  Aber dafür gibt es dann andere Werke von mir zu lesen. So ist auch eine Wiederauflage des Gespenstermärchens aus meiner Feder nach wie vor ganz oben auf meiner Agenda zu finden.

Cover der ersten Auflage

Reisebericht wird zur Erzählung

Ein Reisetagebuch, welches als Grundlage für einen Blogbeitrag dienen soll, kommt dem Reiseblogger Alwin abhanden. Da er eigentlich nur im Hotel entspannen und sich haarsträubende Abenteuer für seine Follower ausdenken wollte, macht er sich kurzerhand auf die Suche. Was er erlebt, wie er dem Tod von der Schippe und der korpulenten Milly direkt auf die Schultern springt und wie er beinahe kriminell wird, schildert seine Erzählung, an der garantiert nichts ausgedacht ist. So verdrehte Einfälle hat kein Reiseblogger, auch Alwin nicht. Ob der Ich-Erzähler aber am Schluss nicht doch geflunkert hat,  als er seine Wiederauferstehung von den Toten schildert, muss der Leser beurteilen.  „Immer dem Notizbuch hinterher“ ist eine schräge Erzählung mit verlorenen Seelen und liebenswerten Charakteren.

Diese Geschichte wird die erste Fortsetzungsgeschichte hier auf diesem Blog! Ihr dürft also gespannt sein.  Geplant ist eine 14tägig erscheinende Fortsetzung, wie lange, wird nicht verraten.

Sonntagsgeschichte (12): SALZSTANGEN

Ob sie ihm verziehen hatte? Würde er es jemals erfahren? Es war zu spät. Für so vieles im Leben war es zu spät. Nachdenklich rührte er die Suppe um. Porreesuppe mit süßer Schärfe, das hatte sie immer geliebt. Er zwang sich, nicht in Schwermut zu verfallen. Die Sojasprossen kannte er nur aus der China-Pfanne vom Imbiss, aber seine Carina wusste, wie man eine leckere Suppe komponiert. Komposition traf es auf den Punkt, denn auf de Zutaten kam es an, das war es, was sie immer gepredigt hatte. Nun war sie schon ein Jahr nicht mehr von dieser Welt. Lilli platzte mitten in seine Grübeleien hinein, und das war auch gut so.

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Die Geschichte von der Kuh MIAU

Jutta E. Schröder vertonte eine Gute-Nacht-Geschichte von mir mit Geräuschen und Tierstimmen,  Sie liest sehr langsam und kindgerecht, und die großen und kleinen Zuhörer erfahren dann , „Wie die Kuh MIAU zu ihrem Namen kam“, der ja in der Tat ungewöhnlich für eine Kuh ist.   Gute Unterhaltung. Das e-book dazu  gibt es auf BookRix, es sollte für alle sichtbar und downloadbar sein.

Kuriergeschichte wird demnächst noch länger

Vollmundige Ankündigungen meinerseits waren noch nie so ganz verbindlich, vor allem nicht in Bezug auf Termine. Aber eine Absichtserklärung schadet nicht und ist an keinen Zeitpunkt gebunden: Mir gefällt mein Ende der Kuriergeschichte nicht. ( „Die Odyssee des Nachtkuriers“) Die bevorstehende Familienplanung des Protas lässt es zu, dass er z.B. seine Freundin nachts mit dem Kurierfahrzeug ins Krankenhaus fährt, als ihre Fruchtblase geplatzt ist. Auch zuvor finde ich die Formulierung: Um es kurz zu machen“ für eine Kurzgeschichte renundant und unglücklich gewählt.

Auch gibt die unbeleuchtete und schlecht gepflasterte Chaussee durch den Wald noch einiges an vermeintlichen Herausforderungen her. Da lasse ich mir sicher noch einige Ideen einfallen, so dass die Fahrt noch kurioser und mysteriöser wird.  (Das ebook gibt es auch jetzt schon auf bookrix)

Buchverlosung: dh-Hefte erscheinen nun doch wieder

Ja ich weiß: rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln, aber so bin ich eben. Genauso wie ich meine bisherigen Gedichte nun in einem Buch
verewigt habe, welches man übrigens bestellen kann und sollte, setzte ich dieses Ansinnen nun mit meinen bisherigen Kurzgeschichten fort, und damit meine ich die wirklich kurzen. „Der Woandersmitesser“, „Ein Buch muss erstmal schön sein“ und andere Episoden erschienen hier im Blog zumeist als Sonntagsgeschichten. Nun gibt es zunächst 6 von ihnen in einem weiteren dh-Heft. Diesmal wird es in Kürze sogar bei den üblichen Online-Händlern erhältlich sein.
Günstiger aber bekommt man es bei diversen zukünftigen Verlosungen meinerseits – oder wenn man direkt bei mir bestellt. Das Indiepublishing Portal ist leider relativ rigoros bei den festzusetzenden Mindestverkaufspreisen. Also, wer bei der Verlosung mitmacht, kriegt das Heft portofrei und zum Nulltarif. Wer bei mir direkt bestellt, zahlt später nur 3,33€ – ein Preis, der für 40 gedruckte Seiten relativ angemessen sein dürfte.

Detailreiches Erzählen um jeden Preis?

chefsesselKurzgeschichten verlangen einem Autor  eine Beschränkung auf das für die Handlung Wesentliche ab. Mit „ES BEGANN MIT EINEM ANRUF“ stand auch eine Kurzgeschichte auf dem Plan,  die sich nun aber langsam zu einer längeren Erzählung entwickelt, eben weil es mir immer wieder wichtig erscheint, bestimmte Ereignisse nicht ganz so temporeich und oberflächlich zu erzählen. Schlimmstenfalls wird es also ein ganzes Buch und keine Kurzgeschichte. Meine Sorge allerdings ist, dass die Spannung darunter leidet. Denn anders als die Ausgangsversion wird der Leser hier die Protagonisten über eine längere Weg- und Zeitstrecke begleiten und sie besser kennenlernen. Und genau das ist eben für eine Kurzgeschichte untypisch.

Ich würde daher gern mal die bisher zu Papier gebrachten knapp 10 000 Wörter irgendwem zum Lesen und Kritisieren Überfliegen und Herummäkeln geben. Ein Lektorat ist  noch nicht erwünscht, also eventuelle Schreibfehler werden gesondert wegrationalisiert. Es geht nur um den Interessantheitsgrad und das Erzähltempo – um nichts weiter.  Die Zusendung per Mail als *rtf, *pdf oder *docx Datei wäre eine Möglichkeit, die ich anbiete – eine weitere naheliegende natürlich die vorübergehende Freischaltung des ebooks.

 

 

Wie soll die Callcentergeschichte heißen?

 

Ina und Andreas arbeiten neben vielen anderen Kollegen in einem Call Center. Als ein eifersüchtiger Verehrer aus Inas Vergangenheit ihr Kollege wird und seiner angebeten Klassenkameradin von einst umsonst den Hof macht, erwacht seine Eifersucht. Ihm bietet sich die Gelegenheit durch ein Outboundprojekt, ihr näher zu kommen und ihren Freund Andreas auszuschalten. Begünstigt wird sein Vorhaben durch die datenhungrige Marketing-Agentur Gut-und Gernkauf, deren abenteuerlicher Pilot-Versuch für Inas Verehrer gerade recht kommt und Mittel zum Zweck wird. Als er dabei zu weit geht, wird er allerdings von der Agentur im Stich gelassen. Andreas´ Karriere schien indes eben noch an Fahrt zu gewinnen – doch er verbirgt ein Geheimnis. Eines Tages zahlt er einen hohen Preis ….

Ob Krimi oder Thriller oder von beidem etwas – auf alle Fälle ist es eine Geschichte mit Spannung geworden,  die mehr Themen tangiert, als es zunächst den Anschein hat. Datenschutz, Rache, menschliche Schwächen, Geldgier und die gute alte Eifersucht – das alles schimmert zwischen den Zeilen durch. Die Hauptfiguren gehen auf unterschiedliche Weise mit den besonderen gesellschaftlichen Verhältnissen im Mecklenburg- Vorpommern der frühen Neunziger um und lassen den Leser mit der Frage zurück, ob die Möglichkeiten für König Kunde, im Service-Deutschland nach der Wiedervereinigung noch Einfluss zu nehmen und seine Belange zu wahren, nicht langsam und fast unmerklich zur Farce verkommen sind.

Es ist charakteristisch für zum Beispiel amerikanische Literatur, dass Genregrenzen aufgehoben werden. Auch das Werk hier würde ich als Mischung aus Krimi und Thriller bezeichnen. Die Ticks und Schwächen der handelnden Figuren habe ich hier mehr als in meinen bisherigen Geschichten herausarbeiten wollen, um so der Geschichte etwas mehr Tiefe zu verleihen.

Nun zum Titel der Geschichte:

„Es begann mit einem Anruf“ klingt schmissiger und eingängiger als „Outbound nach Feierabend“ oder Outbound-Experimente“. Ebenfalls nicht mehr in Frage kommen “ Das Geheimnis des Anrufers“, „Tendikat am Apparat“ oder „Anrufer reloaded“. ( reloaded von wegen meiner Überarbeitung der Story) „Der Anrufer 2.0“ klingt veraltet,  „Modern Stalking“ trifft es nicht ganz, das hebe ich mir für eine andere Geschichte auf.  Ich werde wohl so auf 50 bis 60 000 Wörter kommen. Ob man das noch als Kurzgeschichte gelten lassen kann? Ich habe es vorsorglich schon mal Erzählung genannt …. Auf Facebook habe ich mal meine neueste Coveridee präsentiert.

  • Woran erkennt man im Callcenter, dass Freitag ist?  Bereits mittags sind die meisten Agenten besser aufgelegt als ihr Telefonhörer. (Ja ich weiß, man trägt dort Headsets, na und?
  • Und was fragt ein Agent seinen neben ihm sitzenden Kollegen, wenn er aus der Pause  kommt und sich wieder am Platz einloggt? „Und? Irgendwelche Anrufe für mich?“ 

Nachtkurier erlebt nächtliches Abenteuer

„Die Odyssee des Nachtkuriers“ – so oder ähnlich soll eine Kurzgeschichte heißen, die ich schon mal zu schreiben anfing und unfertig, wie sie noch ist, auf Facebook gepostet habe. Leider komme ich nicht in meinen neuen BookRix-Account, weil ich die dazugehörige Mailadresse versehentlich gelöscht habe, ich Turnbeutelvergesser. Das Team vom Support konnte mir auch nicht weiterhelfen. Gern würde ich dort unter richtigem Namen weiter arbeiten. Geht nicht. Aber dort gehören Geschichten nun mal hin. Dann entsteht sie eben auch unter dem vorhandenen Woanders-Account. Werde sie demnächst dahin übertragen.

Mit der Kuriergeschichte wäre der Anfang gemacht für eine eigene Kurzgeschichtensammlung. Dann könnte ich auch ein altes Cover endlich nutzen. Aber der Abschluss dieser Sammlung erfolgt erst in späterer Zeit, evtl nicht mehr 2017.

 

Schreiben aufs Stichwort: Kurzgeschichte „Verschiedenheit“

„Das fünfte Rad am Wagen“

Traurig blickte sie ihn an. Er tat ihr in diesem Moment leid. „Ich fühle mich geschmeichelt. Aber es geht nicht.“ Diese Worte hatte sie sorgsam gewählt, bevor sie sie flüsterte, aber sie trafen ihn wie einen Donnerschlag.  Er schwieg zunächst. „Hast du gehört, was ich gerade gesagt habe?“, erkundigte er sich schließlich ein wenig beleidigt. „Ich sagte gerade, dass ich dich liebe!“  Sie nickte nur, aber er bemerkte es nicht, denn sein tränenverhangener Blick suchte den Horizont nach einer Antwort ab.

Da saßen sie nun am Strand, vor sich das Meer und die romantischen leisen Wellenschläge der Brandung, und dann das. Plötzlich sagte sie: „Ich mag dich sehr, aber ich liebe dich nicht.“  Ich bedeute ihr nichts, dachte er.

Und was war mit den schönen Sommerabenden beim gemeinsamen Zelten? Das Kuscheln, das Lachen, der Spaß – die letzte Ferienwoche hier an der Ostsee? Dies war der letzte Tag, und er hatte so schön werden sollen. Lautlos rann ihm eine Träne über die Wange. Hauptsache, sie bemerkte es nicht.

„Lutz?“ Er warf einen Stein in die Brandung. Was wollte sie denn nun noch – war nicht alles gesagt? Sie rückte näher an ihn heran. Aus den Dünen kamen Johannes und Claudia angerannt; völlig außer Atem und scheinbar glücklich ließen sie sich neben Charlotte und Lutz in den Sand fallen.

Unter dem Vorwand, zur Würstchenbude zu gehen, erhob Lutz sich, den die Sorglosigkeit der anderen anwiderte. Johannes kannte den Freund aus Kindertagen und spürte, dass ihm etwas zu schaffen machte. Kurzerhand schloss er sich Lutz an. „Was ist denn los mit dir?“, fragte er. Keine Antwort. Finsteren Blickes stapfte Lutz den Strandaufgang hinauf zur Promenade. „Ist alles okay?“ „Ach, es ist wegen Charly. Sie will nix von mir“, erklärte Lutz leise. Sie hockten sich an den Rand des Dünenweges nebeneinander. „Mach dir nix draus. Das kommt schon mal vor“, tröstete Johannes den grübelnden Freund, der mit einem Stock Kreise in den weichen Strandsand zeichnete. „Ist aber ein vollkommen bescheuertes Gefühl.“ „Ich weiß. Tut mir leid, das zu hören.“

Währenddessen saßen die Mädchen am Strand und unterhielten sich ebenfalls. Claudia hatte Charlotte von hinten um die Schulter gefasst, und wie sie beide so auf das Meer und die Schiffe am Horizont blickten, einte sie der Wunsch, diese letzten Ferien mögen noch nicht zu Ende gehen. Charlotte lehnte ihren Kopf an die Schulter der Freundin, und schließlich tauschten die Mädels einen langen Kuss aus.

Das war es auch, worauf Johannes Lutz aufmerksam machte. Ihm war bekannt, dass die Mädchen mehr als nur miteinander befreundet waren und umso mehr hatte er bis eben noch Lutz bedauert, der sich doch solche Hoffnung auf eine Beziehung mit Charlotte gemacht und angesichts der schwindenden letzten Ferien all seinen Mut zusammengenommen hatte.  Später am Abend beim letzten Strandlagerfeuer der vier Urlauber stellte sich dann allerdings noch heraus, dass sogar Johannes mehr als den Hauch einer Chance bei Charlotte haben könnte.

„Yepp, denn ich bin sehr tolerant und für alles offen“, kicherte sie, während Claudia lachend bemerkte, dass aus ihr der Wein spreche.  Sie wollte ab sofort Carlo genannt werden, gab Lutz einen Schmatz auf die Wange – und wandte sich plötzlich auf ungleich vertrautere Weise Johannes zu.

Sie stand also auf beide Geschlechter – aber eben immer noch nicht auf den unglücklich in sie verliebten Lutz. Der fühlte sich, obwohl sie doch zu viert waren, am Rest des Abends wie das buchstäbliche fünfte Rad am Wagen. ©2017

 

Leseprobe aus dem Leuchtturmkrimi veröffentlicht

Auf der Unterseite dieses Blogs für Leseproben habe ich eine kurze solche aus dem (schon so lange) entstehenden Leuchtturmkrimi hinzugefügt. Die auch schon überfällige Kurzgeschichte auf Stichwort (VERSCHIEDENHEIT) ist in Arbeit und erscheint leider frühestens als nächste Sonntagsgeschichte. …   Einer der Gründe ist auch eine zu Grunde liegende Idee, die es verdient, nicht nur in aller Kürze erzählt zu werden.

Sonntagsgeschichte (11) Als der Kaffee alle war (2)

Victor lachte. Sein Schwager Ivo war so witzig, wusste trefflich zu unterhalten und verfügte über einen trockenen Humor. Auch Vera, Victors Frau schien sich zu amüsieren, denn sie lächelte fortwährend. Victor hätte sich noch vor zwei Jahren in Rumänien nicht träumen lassen, dass er mit einer deutschen Frau eine glückliche und harmonische Ehe führen würde. Lange stand nicht fest, ob er in Deutschland bleiben würde. Ivo hatte ihm beim Umgang mit den Behörden sehr geholfen. Und heute, an Veras Geburtstag, feierten sie auch Victors unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Sie saßen auf der Veranda und der Grill neben ihnen war nun endgültig aus. Satt und zufrieden lehnte sich Ivo zurück.
„Habe ich nicht gut gegrillt?“ Victor bestätigte das. Er genoss es, mal nicht nur Essen bringen zu müssen, sondern auch mal selbst gut essen zu können. Vera kam aus dem Haus und brachte den beiden Männern ein Bier.
„Teilt euch das ein bis zum Kaffee, Jungs“, scherzte sie und lächelte wieder. Victor wollte auf ihre spaßig-belehrende Art eingehen, da vibrierte sein Handy. Das war das Zeichen dafür, dass er eine Nachricht erhalten hatte.
Ivo nahm ihm das Telefon aus der Hand und schaltete es ab.
„Jetzt feiern wir, Schwager. Du bist nicht auf Arbeit hier, heute ist kein Stress für uns.Prost!!“ Und er hob die Flasche zum Zeichen, dass Victor anstoßen sollte.

Einen Moment lang hatte Victor tatsächlich an die Gaststätte gedacht, wo er derzeit einen Aushilfsjob als Kellner ausübte. Heute sollte dort eine Reisegruppe ankommen. Dass er heute den Geburtstag seiner Frau feiern würde und deshalb frei machte, war dort bekannt. Schnell hatte er daher die SMS vergessen. Außerdem war das Handy nun aus und Victor bereits in ein Gespräch mit Ivo über deutsche Autos und deutschen Fußball vertieft.

14:32 Uhr. Anna hatte zwischendurch die Zeit gefunden, Victors Handynummer zu wählen. Niemand ging ran. Gleich würden die Busse ankommen. Ob die Chefin noch rechtzeitig genug Kaffee auftreiben konnte? Eine junge Frau kam auf sie zu, als sie an der Kasse die Bons durchsah. „Nehmen Sie auch Praktikantinnen? Ich bin Studentin….“
„Wie heißt du?“, fragte Anna unvermittelt.
„Sarah. Ich würde gern so für eine Woche oder so etwas Erfahrung…“ Weiter kam sie nicht. Anna nahm sie beiseite.
„Sarah, freut mich. Ich bin die Anna. Eigentlich entscheidet das die Frau Herbst, das ist die Inhaberin. Aber wir haben gerade einen kleinen Engpass… Wenn du etwas Zeit hast, hilf mir ein wenig, bis die Frau herbst wieder da ist, okay?“
Die junge Frau wich irritiert eine Schritt zurück.
„Ähm…jetzt? Aber ich habe doch noch keine Unterlagen mit…“
„Später, Sarah. Willst du? Das Angebot steht. Ansonsten muss ich schleunigst weiter machen. Ich brauche jemand, der unsere Moccatassen aus dem Schrank räumt und kurz abspült. Gleich kommt eine Reisegruppe, und ich will denen unseren Supermocca kredenzen.“ Diese Idee war Anna gerade eingefallen. damit würde der letzte Kaffee etwas länger reichen. Nun würde es kommen, wie es kam.

14:45 Uhr. Das Telefon neben der Kasse klingelte. Sarah, die das Angebot Annas angenommen und mit der Arbeit als Praktikantin in spé begonnen hatte, nahm auf ein Zeichen von Anna hin den Hörer ab. Der Mann am anderen Ende sprach gebrochenes Deutsch.
„Du mich angerufen, Anna?“ fragte er. Sarah wollte schon auflegen, dann aber erkundigte sie sich nach dem Namen. „Hier ist Victor. Ich kann nicht kommen, Frau hat doch Geburtstag. In SMS stand, ihr habt angerufen. Ist dringend?“
„Ähm… ich schätze schon. Ich bin Sarah, die Praktikantin.“
„Obudev, Victor. Ich Oberhilfe.“ Das sollte Hilfskellner heißen, klang aber witzigerweise irgendwie verantwortungsvoller.
„Wer ist dran?“, fragte Anna im Vorbeigehen.
„Ein Victor.“ Sie riss Sarah den Hörer aus der Hand. „Victor, hast du gestern oder vorgestern Vertreterbesuch gehabt? Der Kaffeevertreter ist nicht gekommen – Mensch, wir brauchen Kaffee!“
Victor musste überlegen. Er war schon ein wenig beduselt vom Geburtstagsbier mit Ivo und machte Anna mit seiner langsamen Art zu antworten, extrem ungeduldig.
„Komm zum Punkt, ich weiß, du feierst heute, aber du wirst dich doch noch erinnern können?“
„Nee, war niemand da, kein Kaffeebringer.“
„Wo zum Teufel steckt der denn?“
„Ist vielleicht hoher Stau irgendwo, ich denke…“
„Quatsch. Gestern, er sollte gestern kommen – spätestens!“ Anna begriff, dass sie Victor nicht mehr entlocken konnte. Weil er getrunken hatte, würde er auch nicht ins Auto steigen und herfahren können. Egal, ein Versuch war es ihr wert:
„Victor, könntest du in ein Taxi steigen und kommen – nur für eine Stunde oder zwei? Deine Gäste werden dir hoffentlich so lange erhalten bleiben… BITTE!“
„Och geht nicht, Frau hat doch Geburtstag, und habe ich Haus voll Leute hier! War beantragt heute frei!“ Hätte ja sein können, dachte Anna stirnrunzelnd, murmelte einen Glückwunsch für Victors Frau in den Hörer und ging wieder an die Arbeit. Er wäre ohnehin zu spät hier angekommen….

14:51 Uhr. Die Chefin raste durch die Einfahrt auf den Hof. Verschwitzt und mit verschmierter Schminke im Gesicht, aber lächelnd stieg sie aus und lud die zwanzig Kilopackungen Kaffee aus. Noch während sie das tat, kam der erste von zwei Reisebussen vor dem Kaffeehaus auf dem Parkplatz an. Der Busfahrer avisierte Anna, es seien siebzig statt sechzig Fahrgäste. Das ginge nicht, erklärte Anna, wenigstens nicht sofort, sie müsse noch zehn Plätze vorbereiten und eindecken. Von dem Kaffee-Dilemma wollte sie nichts sagen. Sie schlug dem Busfahrer und der nun auch anwesenden Reiseleiterin vor, den Gästen erstmal einen Spaziergang anzutragen, es sei eine schöne Gegend hier. Gerade schwärmte sie von einer kleinen alten Kirche zwei Kilometer weiter, als die Chefin hinter dem Tresen erschien, ihr zunickte und den Daumen hob.

„Der zweite Bus kommt auch gleich. Genügen Ihnen so… fünf bis zehn Minuten Zeit? Sonst kommen wir mit unserem Zeitplan durcheinander.“ Nach meinem Zeitplan fragt auch keiner, dachte Anna, machte aber gute Miene zum bösen Spiel. Immerhin war nun Kaffee im Haus. Nun waren sie auch wieder ein richtiges Kaffeehaus. Zusammen mit Sarah machte sie sich dann an die Arbeit und zählte zunächst die freien Plätze. Würden die reichen für zehn weitere Reisegäste? Und was, wenn die nicht zusammen sitzen konnten?

****
„Wer war das? War das nicht für mich?“ Victors Frau war neugierig, mit wem ihr Mann da telefonierte und witterte eine weitere Überraschung. Doch Victor winkte ab. Irgendwie war die Stimmung nun dahin, fand er. Und im Kaffeehaus saß nun eine Reisegruppe ohne Kaffee… Es ließ ihn nicht in Ruhe.
„Wann gibt es Kaffee?“, fragte Ivo und hatte damit das Stichwort geliefert.
„Gar nicht, Kaffee ist alle.“ Vera Lehmann-Obudev sah ihren Mann verständnislos an. Es sei ihm so rausgerutscht, entschuldigte er sich und ergänzte: „Habe ich telefoniert mit Arbeit – Chaos dort, Kaffee alle, viel Gäste….“
„Ein Café ohne Kaffee?“ Ivo fand das komisch.
„Kaffeehaus. Chefin Frau Ilona sagt, ist nicht dasselbe wie Café.“
„Und… aber es ist doch nicht deine Schuld?“
„Nein, aber ich muss hin und helfen….ich mag nicht Kaffee hier trinken, und Gäste dort nicht… Fahr ich hin und gucken, wo helfen geht, ihr trinkt Kaffee, und ich rufe an und komme dann wieder. Kann nicht feiern mehr.“
Dagegen aber legte die Spaßkanone Ivo Veto ein.
Aber Victor war nicht dazu zu bewegen, den Anruf zu vergessen. Vera hingegen kannte ihren Mann und wusste, wenn er nicht fuhr, war die Stimmung erst recht im Eimer. „Wir kommen mit, und wenn alles gut ist, trinken wir eben dort Kaffee und feiern dort weiter. Da gibt es doch auch Kuchen, oder?“ Victor nickte und gab seiner Frau einen Kuss auf die Wange.
Ivo wollte wissen: “ Und wer fährt?“
Aber Victor telefonierte bereits mit einem Taxi-Unternehmen in der Nähe.

15:07 Uhr. „Anna, was ist nun mit dem Kaffeeonkel? Ist der immer noch verschollen?“ Die Kellnerin beantwortete die Frage der Chefin mit einem Kopfnicken. „Gut, dann ist sein Laden raus bei uns.“ Ilona Hecht beschloss, am nächsten Tag die Geschäftsbeziehung telefonisch zu beenden. Solche unzuverlässigen Partner brauchte niemand. Jetzt aber machte sie sich daran, die Kaffeeautomaten vorzubereiten. Dafür hatte sie sich bei Anna aber etwas Zeit ausgebeten – das ging nicht so schnell. Die war angesichts der scheinbar gelösten Katastrophe dankbar und sagte, sie würde sich schon so lange zu helfen wissen.

Ein Kombi der Mittelklasse bremste mit quietschenden Reifen auf dem Parkplatz des Kaffeehauses. Der so schwer vermisste Kaffeevertreter Rolf Buchert, ein korpulenter Mittvierziger mit schwarzem Anzug und Pomade in den Haaren betrat mit einem Arm voll Werbegeschenken die Gaststätte. Überrascht von den vielen Leuten, die eben im Begriff waren, Platz zu nehmen, zögerte er einen Moment, lächelte dann und marschierte als er Ilona Hecht erblickte, auf die Bar zu, hinter der sie gerade an einem der Automaten hantierte. Was nun folgte, hatte er so nicht erwartet.

„SIE? Sie sehen doch, ich habe das Haus voll und zu tun. Immerhin muss ich mir ein Zentner Kaffee aus den Rippen schneiden! Bringen Sie jetzt erst etwa den bestellten Kaffee?“
„Liebe, sehr verehrte Frau Hecht…“
„Ich bin nicht Ihre Liebe…Und bevor sie mit dem Ausliefern anfangen – “ Ilona Hecht holte sich sarah heran, da Anna gerade beschäftigt war – „…nur dass ich einen Zeugen habe. Unser vereinbarter Termin war wann?“
„Gestern zehn Uhr spätestens, aber lassen Sie sich doch…“
„Aha. Bevor Sie sich nun einen Zopf an die Lippe reden, storniere ich hiermit die Bestellung, da ich keinen Bedarf mehr habe und Sie den Liefertermin nicht eingehalten haben. Ich werde Regressansprüche an Ihr Unternehmen stellen, falls es bei einem der heutigen Gäste auch nur im Ansatz zu einer Beschwerde kommt. Und Sie möchte ich hier nicht mehr sehen! guten Tag, Herr Wuchert!“
„…Buchert! Aber ich wollte doch…“ Die immer noch erboste Chefin ließ ihn nicht ausreden.
„Mir egal, was Sie wollten – oder wollten Sie ihr Telefon zur Abwechslung mal einschalten? Damit man Sie erreicht?“
„Ich habe auch als Wiedergutmachung eine Bonuspackung Ihrer Sorte „Arabica Wonder“ dabei – und natürlich noch einiges mehr…Ich habe vorgestern abend einen Unfall gehabt – nur Blechschaden, aber eben kein Auto, vorübergehend. Es tut mir leid.“
Ilona Hecht blickte nun auf.
„Mir tut es auch leid. Aber Sie kennen schon Ihre Termine und wissen, wie das im Geschäftsleben so läuft, oder? Ich meine, Sie hätten hinterher noch ein Telefon bedienen können, oder? Oder wenigstens gestern… Nee, Schluss jetzt: Nehmen Sie Ihre Souvenirs wieder mit und gehen Sie. Wir arbeiten bereits mit einem Mitbewerber… Ich kann da keine Rücksicht nehmen. Und nun habe ich zu tun!“

Wie ein begossener Pudel zog Buchert wieder ab. „Und du bist die Sarah?“ Ilona mussterte die Praktikantin und fand sie soweit ganz sympathisch und freundlich. Das Mädel könnte mal eine freundliche Bedienung werden, dachte sie. Alles weitere würden sie später besprechen müssen, erklärte die Chefin der Praktikantin. Ilona Hecht atmete auf. Da hatte Anna Glück gehabt, dass ihr in der Stunde höchster Not kein Hallodri als Bewerber begegnet war. Aber künftig würde sie sich solche Entscheidungen vorbehalten.
Das musste Ilona mit Anna später noch genauer klären.
Der Buchert tauchte nochmal auf. Mit zerknirschtem Gesicht stellte er zwei Kilopackungen „Arabica Wonder“ vor Ilona hin.
„Wie dem auch sei – es tut mir wirklich leid. Und die hier möchte ich Ihnen als meine persönliche Entschuldigung da lassen.“
„Wieviel Kaffee haben Sie denn mit?“
„Na, die ganze Bestellung – einen halben Zentner…“ Ein Hoffnungsschimmer spielte um Bucherts Gesicht.
Ilona beugte sich ihm entgegen. “ Sie werden verstehen, dass ich die ganze Bestellung nicht mehr benötige. Zwanzig Kilo können Sie abladen, mehr geht nicht. Aber ob ich mich nochmal melde – ähm… gehen Sie mal nicht davon aus. Sie haben für sehr viel Stress und graue Haare gesorgt. Das war nicht professionell, Herr Buchert. Verstehen wir uns?“
Ilona Hecht wusste genau, dass sie der Kunde war und im Moment am längeren Hebel saß.
Sie wollte jetzt damit beginnen, immer eine Reservemenge an Kaffee im Lager zu haben – für Fälle wie diesen. Deswegen lenkte sie ein – nur ein wenig, nicht zu sehr. Böse war sie dem Buchert, diesem Kaffeeonkel immer noch.

Das alles hatte sich abgespielt, während Anna schon die ersten Bestellungen entgegen nahm und den Gästen erstmal erklärte, dass es nur heute den neuen „Super-Mocca“ gab, ein Muss für jeden Kaffeetrinker. Ihr Gedanke war, dass sie normalen Filterkaffee in Mokkatassen anbieten würde und so erstmal ein Auskommen mit dem Kaffee gesichert sein dürfte.

In der Tat war die Neugier bei den Reisegäste nun geweckt, und „herkömmlichen“ Kaffee bestellte zunächst niemand. Nun musste Anna ihr Rettungskonzept der Chefin erklären – denn Ilona hatte gerade die Mokkatassen entdeckt, die bereit standen und auf Inhalt warteten.
„Deine Mocca-Strategie ist eigentlich Schmuh. Aber Ideen hast du ja, Anna. Wenn ich so weit bin, erklären wir den Leuten, der Mocca sei alle, wegen der Nachfrage. Bis dahin schenke meinetwegen deinen Super-Mocca aus. Laufen alle kaffeeautomaten, dann gibt´s eben wieder richtigen Kaffee wie immer. Aber künftig, ohne Not, sprich das gefälligst mit mir vorher ab, hörst du? Vorher!“
Damit gab sich Ilona Hecht zufrieden. Nach zehn, elf ausgeschenkten Super-Mocca würde wieder alles sein wie früher, dann war wieder Kaffee im Sortiment. Es würde schon gut gehen.

Doch einer der Gäste, die den Super-Mocca bestellten, war der immer noch anwesende Beamte Kastmann vom Gewerbeaufsichtsamt. Nach dem ersten Schluck rümpfte der die Nase und winkte Sarah, die mitkellnernde Praktikantin zu sich.

15:15 Uhr. Der zweite Reisebus traf ein, zusammen mit einem Taxi, dass auf dem Parkplatz anhielt. Victor, Vera und Ivo stiegen aus und gerieten mitten in einen Pulk aussteigender und herumstehender Reisender. Alle strömten durch die Eingangstür in das Kaffeehaus. Hoffentlich bleiben wir zusammen, dachte Vera und suchte in der Menge ihren Mann.
Victor war bereits auf dem Weg zur Bar und stellte vor Anna, die mit Mokkatassen klapperte, vier Packungen „Kuba Bohne Premium“ auf die Theke. Anna blickte auf, sah den Kaffee und wischte sich lächelnd mit dem Handrücken den Schweiß ab.
„Victor! Das ist so nett von dir, aber das ist nun nicht mehr nötig…“
„Haben angehalten an Kaffeeladen, die hatten kein Arabica… Taxifahrer hat uns den hier empfohlen. Soll nur Resereve sein.“
„Und deine Gäste? Feierst du nicht?“
„Alle hier!“ Victor drehte sich um, seine Augen suchten umher.
„Wir wollen hier feiern, und ich kann helfen, wenn es sein muss…“
Ilona kam von einem der Tische mit leeren Mokkatassen und Kuchenteller auf einem Tablett.
Ihr Blick war besorgniserregend und hellte sich auch nicht auf, als sie Victor gewahr wurde.
„Das gibt noch Ärger. Als wenn wir noch nicht genug um die Ohren haben…“ Die Chefin war von Kastmann herbeizitiert worden und hatte eine saftige Beschwerde über den „wohl dünnsten Mokka der EU“ entgegen nehmen müssen.
Dafür hatte sie ihm einen Kaffee gratis spendiert und Sekunden lang mit dem Gedanken gespielt, ihm die wahren Umstände zu erläutern.

Victor und seine zwei Gäste feierten in einer hinteren Nische an einem versteckt liegenden Vierertisch und bekamen Kaffee und Kuchen frei – denn Ilona Hecht wusste seinen Einsatz durchaus zu schätzen, und einmal musste er auch kurz einspringen und die Stellung an der Kaffeebar halten, denn Sarah war unterdessen nach Hause gegangen. Auch sie hatte gut gearbeitet und Anna viel Arbeit abgenommen.

Ein Nachspiel seitens des Beamten Kastmann gab es in der Tat noch, aber anders als von Ilona Herbst befürchtet.
In den folgenden Tagen suchten mehrere Vertreter für Mokka-Kaffee und Mokkageschirr sowie für Espresso-Automaten das Kaffeehaus auf. ©2006

Ende