Von Serien-Ermittlern und Serien-Killern

Krimis im Überfluss – Der Krimi-Freund hat heutzutage die Qual der Wahl, weil der Krimi scheinbar des Deutschen liebster Zeitvertreib gleich nach dem Auto zu sein scheint. Da zählt schon die Abgefahrenheit der Idee, die Schrägheit der Protas odwr die Zeit, in der die Story spielt, wenn es um Leser oder Zuschauer geht. Zugegeben, mit Serien-Ermittlern kann man sich besser identifizieren, sich auf sie einlassen und lernen, sie zu mögen. Dennoch scheint mir diese dauerermittelnde Sippschaft ein Ausdruck dafür zu sein, dass Ideenreichtum und Kreativität
einem kommerziellen Gewohnheitsverhalten Platz machen. Der Leser will, was der Leser kennt. Oder eben der Zuschauer, Hörer oder Theaterfreund. Bekannte Ermittlerhelden á la Schimanski kann man einordnen, sieht man gern wieder, erscheinen vertrauenswürdig und trotz oder wegen ihrer Art liebenswert.


Was ich hier in meiner Rolle als Krimi-Konsument anprangere, liegt mir als Autor allerdings schon näher: Auch ich könnte mir vorstellen, Protagonisten mehrfach antreten und auftreten zu lassen. Es ist schon reizvoll, eine Figur nach und nach zu einer vollständigen, möglichst einzigartigen Persönlichkeit zu entwickeln und das in mehr als einem Buch/ einer Geschichte/ einem Film. Als Konsument hingegen weiß ich nicht, ob mich der siebenundzwanzigste Fall des Kommssars XY immer noch so interessieren würde wie der elfte oder der zweite. Okay, es gibt genug Beispiele, die funktioniert haben und immer noch funktionieren: Sherlock Holmes, Stephan Derrick, Oberleutnant Fuchs, Horst Schimanski, Miss Marple, Starsky und Hutch, Jan Fedder alias Dirk Matthies und, und, und.

Was macht den Reiz an einer Fortsetzung aus mit Charakteren/ Protagonisten, die man schon kennt? Muss da nicht die Story umso raffinierter, origineller sein, damit man diesen Leuten weiter folgt?
Genügt der Sympathiefaktor, um seinem Haupthelden überallhin zu folgen?

Nun, man hat so seine gewissen Kulthelden aus alten Büchern und Fernsehserien, aber macht es dass heutzutage nicht umso schwerer, neue, länger währende Begeisterung bei Serien und Fortsetzungen von der Fortsetzung zu empfinden? Und zwar eine, die mindestens die ganze erste Staffel lang anhält. Oder die ersten drei Bücher, je nachdem.

Ist nicht oft eine Idee nur dann originell und fesselnd, wenn sie zum ersten Mal realisiert wird? Mir hätte ein Film „Jurassic Park“ durchaus genügt, den ersten Streifen habe ich noch offenen Mundes im Kino bestaunt, die Fortsetzung war nur noch ein versuchtes Übertrumpfen des ersten Filmes – in wirtschftlicher Hinsicht.

Deswegen möchte ich heute mal die einzelne Geschichte, den einzelnen Roman oder den Film ohne Fortsetzung und nachproduzierte Serie würdigen und unterstreichen, dass die darin erzählten Geschichten für sich stehen und dem Konsumenten es überlassen, sich seine eigene Serie mit den Charakteren weiter auszumalen.

Dauer-Krimireihen wie „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ sind kommerzielle Unterhaltung nach Schema F, wobei der Buchstabe leider viel zu oft nicht unbedingt für Fantasie steht. Obwohl es in der Tat Ermittler-Duos gibt, die in der Publikumsgunst weit oben stehen, weil sie sich mit flapsigen Sprüchen und Nörgeleien durch die Fälle hangeln. Zugegeben, das ist bisweilen unterhaltsam und mag seine Daseinsberechtigung haben, was wohl die Einschaltquoten belegen, aber vieles wiederholt sich, und es werden lediglich die Leichen und die Mörder ausgetauscht, manchmal auch die Motive und die Tatwaffen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe versucht, mir darüber eine Meinung zu bilden, ob ich je einen Kommissar oder Ermittler mehrfach einsetzen würde in meinen Geschichten. Die Antwort lautete eigentlich nein, aber jetzt, wo ich so drüber nachdenke – in Ausnahmefällen, also wenn mir eine besonders originelle Person als Protagonist, vielleicht auch eine seltene Konstellation – gelänge, dann würde ich es vom Erfolg der Geschichte abhängig machen.

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