Auf Buchfühlung – Lesen ist Geschmackssache

Hin und wieder stolpert man über Bücher mit pompöser Aufmachung und pathetisch formulierten Pressekommentaren auf dem Cover. Gleich unter dem Bestseller-Aufkleber irgendeiner bekannten Zeitschrift mit mehrseitigem Kulturteil, der auf der Vorderseite des Covers den vorbeischlendernden Leser anschreit: “ Kauf mich gefälligst, du Kulturbanause! Ich bin voll angesagt!“,  lockt ein kurzer, reißerisch formulierter Titel, dessen Schrifgröße dem Dreifachen einer BILD-Schlagzeile entspricht. Er muss möglichst brutal, rätsekhaft und skurril klingen und macht nur Sinn, wenn das Buch über eine gewisse Dicke verfügt.  Im Gegensatz zu uns Menschen, die wir uns immer wieder einreden lassen, man müsse abnehmen, und zwar nicht nur dem eingangs erwähnten Buch, das sich dessen Kauf lohnt, gilt bei Pseudo-Bestsellern „Masse statt Klasse“.  Ein solches Buch begann ich gerade zu … nein, nicht zu schreiben, Gott bewahre, sondern zu lesen. Nach einem dreiseitigen originellen Anfang  verlor sich die Story dann in Rückblenden und avancierte zu einem der hundertmal im TV gesehenen FBI-Fälle mit Mord, Entführung und zweifelnden, im Laufe der Zeit zunehmend ermüdenden Ermittlern.  Da wird einem doch bewusst, wie abgenutzt mittlerweile Begriffe wie „THRILLER“, „BESTSELLER“ und alle üblichen Lobhudeleien in den kurzen Cover-Rezensionen sind. All das, inklusive einer aggressiven Aufmachung, braucht ein gutes Buch nicht, welches übrigens nicht zwangsläufig farblich gut gestaltet und rein quantitativ ein echtes Schwergewicht sein muss.  Es kommt auf den Inhalt an.

Das oben beschriebene, aber nicht genannte Buch reiht sich ein in die Gruppe derer, die durch Leser wie mich spätestens nach 80 ( von übrigens 500) Seiten beiseite gelegt werden und in die Tasche für die Bücherbörse wandern. Nun ja, Geschmäcker sind verschieden –  gut möglich, dass andere Leser das, was ich für lesenswert halte, ihrerseits zum Tauschen mitnehmen, bevor sie wissen, wer der Mörder war, oder ob sie sich am Ende kriegen ….

2 Kommentare zu „Auf Buchfühlung – Lesen ist Geschmackssache“

  1. Die Buchfühlung und der Geschmack…
    beginnen ‚bei mir‘ mit Titel, Cover, erste Seiten und Inhaltsangabe, auf was ich mich einzustellen habe. Geschichten, die sich an der Wahrheit orientieren, sind die spannendsten. In meinem Leben gibt’s davon mehr wie genug. Manch Einem ist so viel Wahrheit suspekt, kann ich verstehen. Der glaubt’s dann nicht und meint, so viel Wahrheit und was ‚die‘ alles da schreibt, kann nur fiktiv sein. Irrtum!
    MvH

  2. Ganz meine Meinung … ich hätte auch nichts dagegen, wenn alle Cover schlicht wären, nur farblich nach Genre sortiert und sonst bloß Namen und Titel auf der Front hätten. Das würde zumindest dafür sorgen, dass die Leute nicht bloß nach Bild kaufen, sondern zumindest den Klappentext lesen müssten 😉

Kommentare

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.