Prota-Interview (02) : Schaufelbert Urnentreter

Schaufelbert hatte eine Spatenphobie, weswegen er zum Trinker wurde. Denn sein Bruder zwang ihn schon als Kind, sein Sandkistenvorarbeiter zu sein und für ihn Burgen, Straßen und kleine Städte aus Sand zu bauen. War seine Berufswahl (Totengräber/Bestatter) daher ( und aufgrund seines Namens) folgerichtig vorherbestimmt? Nein, sagte er mir in einem Interview. Lest selbst.


Sch.U: Sind Sie der Spinner, der sich das alles ausgedacht hat?
Ich: Ich wünsche Ihnen auch einen guten Tag.
Sch.U: Achso ja, das auch. Jetzt will ich mal was klarstellen: Ich bin nicht der versoffene Trottel, der eine Klärgrube nicht von einer Grabstelle unterscheiden kann… normalerweise… da war ich gerade promillisiert. Eigentlich passiert mir sowas nicht.
Ich: …promilli- was?
Sch.U: (murmelt) najaa – ich war etwas unnüchtern. Hatte etwas getrunken. Aber hey – wir trinken doch alle mal, oder?
Ich: Aber Sie etwas mehr, oder?
Sch.U: Naja, das meiste verschütte ich. Aber in mir steckt mehr als nur ein menschlicher Schaufelbagger.
Ich: Uuuuh… grässliche Vorstellung …
Sch.U: Ich meine, eigentlich kann ich mehr, als schaufeln und graben, hab zum Beispiel total gute Hobbies. Ich koche, esse …
Ich: … trinke, atme, schlafe und pinkle, ja ich auch.
Sch.U: Sag mal, gehts noch? Und ich schreibe auch. Jaa-haa! Da guckense, was?
Ich: Interessant – das müsste ich aber wissen. Weil Sie sind mein Protagonist.
Sch.U: Nee bin ich nicht. Mit Wissenschaft hab ich nix am Hut. Nee, ich schreibe Tagebuch. Und neuerdings die Stadtchronik von Sterbeberg-Trauerfeld.
So erfahre ich interessante Sachen. (kichert) Sowas könnse sich gar nicht ausdenken, glaumses mir. Wussten Sie, dass diese Apothekerin zum Beispiel die ganze Rathaus-Gang von Sterbeberg mit „Medizin“ …. oh nee ich hab schon zuviel gesagt. Womöglich schreiben Sie darüber wieder so ein blödsinniges Buch wie über mich.
Ich: Das Buch ist nicht über Sie, Sie Regenwurmfinder. Also,nicht in erster Linie.
Sch.U: Egal. Also was ich sagen wollte: Ich trinke gar nicht soviel, und wenn, dann nur, weil mein blöder, arroganter Bruder mich nervt.
Ich: Das sah in der Geschichte aber anders aus… und das hatte ich so nicht geplant. Ich meine, dass er Sie nervt.
Sch.U: Naja – das kam von selbst. Seit meinem Missgeschick mit Plaschke traktiert er mich, wo er nur kann, dieser Arsch. Der ist doch nur sauer, weil er seinen Job bei diesem Grabzuzweit verloren hat.
Ich: Grabzuweit heißt der.
Sch.U: Achso … naja, von mir aus. Neulich stand da aber noch ein Z mehr dran an seinem Namensschild … Könnense sich nicht noch was überlegen, wo ich etwas besser bei wegkomme? Sie als Gedankentipper, meine ich … als Autor, so sagt man wohl …
Ich: Aber Sie haben einen Job bei der Stadt und mit diesem Wechselmann einen Mitarbeiter, dem Sie gegenüber Anweisungen geben dürfen. (Ich gehe auf ihn zu, klopfe ihm freundschaftlich auf die Schulter) Mensch Schippe, das ist mehr als manch andere Figur aus der Geschichte bekommen hat. Mach was draus!
Sch.U: (lächelt versonnen) Schippe … endlich, ein Spitzname, der nicht so fies ist. (Und zu mir) Also – darf ich auch du sagen?
Ich: Klar.
Sch.U: auch du.
Ich: Haha, nee is klar.
Sch.U: Also, du ähm Papier … Bekritzler … Wie wärs mit nem Bier? Ich wollte gerade in den „Fuselschuppen“.
Ich: Au fein. Die sollen dortne gute Soljanka haben … Dann lass uns gehen, Schippe.

Das Gespräch fand unter Ausschluss jeglichen Alkohols statt. (Glühwein zählt ja nicht, oder?)

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