Schreibgedanken (3)

Humor als Waffe. Wohl dem, der bei der Wahl der Waffen auf den guten, alten Humor zurückgreift, wenn es darum geht, sich mit Anderen zu messen. Damit hinterlässt er auf alle Fälle einen stilvolleren und weniger physischen Eindruck als mancher Faustschlag das vermag. Wenn nun jemand in der Lage ist, sich selbst 133nicht allzu ernst zu nehmen – richtet er dann etwa diese Waffe gegen sich?

Nein, lautet hier meine Antwort: Denn in dem Fall bedeutet das nur, dass die (vielleicht in den Augen der restlichen Menschheit bestehende) eigene Unfehlbarkeit auf sympathische Weise Schaden nimmt. So es sie überhaupt gibt. Familie, Fans und Freunde werden das nur sympathisch hoch zehn finden, während manchen Widersachern so der Wind aus den Segeln genommen werden kann. Es verringert die Angriffsfläche für jene, die auf Konfrontationskurs mit uns gehen wollen. Denn wir erinnern uns: Nobody ist perfect.

Humor kann auch die letzte Barrikade sein, hinter der sich von der Realität enttäuschte Zeitgenossen verschanzen, um von Verbitterung und Zynismus verschont zu bleiben. Nicht allen gelingt es auf Dauer. Mir fällt als Beispielfigur aus dem TV spontan Dr. House ein.  Das nennt sich dann schon nicht mehr Sarkasmus, sondern Zynismus. Dieser Eigenschaft wohnt nicht selten eine gewisse Spur von Hoffnungslosigkeit inne.

Zurück zum Zusammenhang von Humor und Schreiben. Man kann, wenn es um ein ernstes Thema geht, nicht unbedingt witzige und alberne Kalauer von einem der Charaktere einflechten. Da hilft dann eher ein Hauch Situationskomik, also unfreiwillig komische Situationen, nicht lustig, aber leicht-amüsant, die der Geschichte eine freundlichere Farbe geben können. Sie können gern etwas subtil daherkommen, das wird manchem Leser gar nicht sofort auffallen. (Genauso etwas möchte ich in einer meiner Geschichten mal ausprobieren.) Etwas plumper, offensichtlicher kann es auch zur Sache gehen, wenn es darum geht, mit Witz und Ironie Themen zu persiflieren: Lustige Namen, ulkige Marotten der Protas, Verwicklungen und aberwitzige Überzeichnungen, dass sind Mittel, die sich für die schnelle Schmunzelei auf paar Seiten eignen.

Ich will hier keine wissenschaftliche Abhandlung verfassen.  Mir jedenfalls hilft Humor in Situationen, wo guter Rat teuer oder ausverkauft ist. Deswegen finde ich ihn auch als Stilmittel beim Schreiben wichtig. Er kann Konflikte auflockern helfen und vieles mehr. Und er ist auch Mittel zur (Selbst-) Motivation. Okay: So etwas profanes wie Singen unter der Dusche oder im Auto geht natürlich auch. Obwohl: Wenn ich das mache, ist das alles andere als lustig. Das hebe ich dann schon lieber für meine Protagonisten auf – da wo´s passt.

Ein Gedanke zu „Schreibgedanken (3)“

  1. Ich kann kein GEFÄLLT MIR drücken, ich schreibe es hiermit. ES GFÄLLT MIR!

    Wie du die Gedanken zu diesem Thema aufgearbeitet hast, flüssig und verständlich.

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