Wenn ICH-Erzähler mittendrin mal eben sterben (sollen)…

Wenn die Hauptfigur noch während der Erzählung sterben soll, ist es ratsam, sich als Autor über folgende Dinge klar zu werden:

1. Die Erzählung sollte auf irgendeine Weise nach dem Ableben des Haupthelden glaubhaft zu Ende erzählt werden; klappt das nicht, sollte sie mit dem Tod der Hauptfigur enden. Voraussetzung dafür ist, dass die Handlung schon so weit vorangeschritten ist, dass ein (offenes) Ende einen Sinn ergibt.
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2. Es bietet sich an, den später Sterbenden von Anfang an in der ersten Person erzählen zu lassen, und nach Möglichkeit in der Zeitform Präsens (Gegenwart). Das wirkt tagebuchartig, kann trotzdem spannend sein und spätestens bei einem Perspektivwechsel , bedingt durch das Ableben des Haupthelden, ist dann vieles möglich: Jemand anders erzählt weiter, die Zeitform kann u.U. in die Vergangenheit (Präteritum) wechseln – oder eben auch nicht, es kann bis zum Weitererzählen eine längere Zeit verstrichen sein… ( Wenn z.B. der Weitererzähler die Aufzeichnungen Jahre später erst in die Hand bekommt….)

3. Dass der frisch Gestorbene aus einer anderen Dimension, dem Himmel, der Hölle, der Vergangenheit, der Zukunft die Geschichte weitererzählt, ist als Stilmittel nicht immer passend. Bei einem bis dahin stinknormalen Krimi z.B. wirkt es sehr konstruiert, wenn der Erzählstil vorher ernst, sachlich, detailliert und nur wenig humorvoll war und plötzlich ins Absurde, Skurrile abrutscht. Diesen „Bruch“ kann man dann auch nur schwer mit dem Wechsel der Erzählperspektive der nach dem Tod weiter erzählenden Hauptfigur entschuldigen. Nun könnte man fragen: Wenn nicht der Tod einen Perspektivwechsel heraufbeschwört, ja was denn sonst? Ich sag´s nochmal: Alles ist möglich – wenn´s passt.

4. Bei der Wahl eines solchen Stilmittels sollte – der Spannung wegen – nichts darauf hindeuten, dass der Prota, mit dem der Leser sich schließlich identifizieren soll (meistens) die Sache nicht überstehen wird. Es sei denn – es ist von Anfang an (eine gewaltige Prise) Humor im Spiel. Mit Humor und Satire hingegen geht alles, wenn es gut gemacht ist.

5. Passiert der Tod aus Sicht des Lesers aus heiterem Himmel, dann sollte die Geschichte ganz unbedingt weiter bzw. zu Ende erzählt werden. Notfalls geht auch ein Epilog, der die sich anschließenden Ereignisse chronologisch zusammenfasst, ohne sie groß zu werten oder zu analysieren.

6. Eine weitere Alternative wäre ein offenes Ende, welches es der Fantasie des Lesers überlässt, ob der Prota durchkommt. Hier wäre eine Fortsetzung der Geschichte am einfachsten möglich. Dann allerdings müsste unser Held bis eben zu diesem Ende am Leben bleiben… Die Macht, das zu entscheiden, hat einzig und allein der Autor. Ist das nicht herrlich?

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