Textprobe der Woche (2)

HEUTE: Auszug aus der Gratis-Kurzgeschichte DIE VORAHNUNG


Ich bin ein schlechter Sportler. Dennoch renne ich, laufe um mein Leben. So richtig weiß ich nicht, wovor ich weglaufe. Ich weiß nur: Das Ding ist furchteinflößend. Wo sind Albert und die anderen? Egal, nur weg hier. Ich bin erst fünfzehn, ich will noch nicht sterben. Morgen schreiben wir doch eine Mathearbeit und ich habe soviel von meiner Freizeit dieser Scheißmathematik geopfert und gebüffelt, bis die Denkmurmel rauchte – soll das alles umsonst gewesen sein?

Ich jage die Feldallee lang, ein breiter, unbefestigter Weg, den Buchen und Birken säumen. Das gewaltige Stapfen hinter mir wird leiser, auch höre ich das schnaufende Atmen nicht mehr.

Wenn ich jemals sechzehn werde, dann höre ich auf zu rauchen.

SD530299Wieso musste ich auch in die alte Höhle am Wiesenhang unweit des Sumpfgebietes hineingehen und dort anfangen zu graben? Albert und seine blöde Spinnerei von einem Schatz… dann war diese diese kleine Hand gewesen, wie die eines kleinen Kindes, die sich aus dem Sand in in die Luft streckte. Äußerst bizarr war das, wie sich die Finger in der Luft bewegten; und nachdem mir fast das Herz stillstand, wurde ich schnell wieder klar im Kopf und griff zu.

Aber was um alles in der Welt war das bloß?

Das Ärmchen wurde immer länger, immer schrumpeliger und behaarter. Die Hand entwickelte eine ungeheure Kraft, obwohl sie so klein war und zerquetschte mir meine fast. Dann wühlte etwas von unten her den Sand auf, und ich hörte ein knurriges Grummeln. Es war eine Menge Sand, die plötzlich langsam nach unten sackte und als ich einen unförmigen, echsenartigen Schädel mit einem menschenähnlichen Gesicht und riesigen Krokodilsaugen auftauchen sah, verlieh die Angst mir Riesenkräfte. Ich riss mich los und rannte; und wenn es mich meinen Arm gekostet hätte, egal.

Jetzt hocke ich hier in einem hohlen Baum und hoffe, dass dieser Unhold mich nicht wittert. Was ist das nur für ein Wesen? Und was machte der hier im Sumpfgebiet von Niedersandbach?

Mir stockt der Atem. Joana fegt an mir vorbei. Auf ihrem Rad spurtet sie davon, und dann höre ich das Stapfen. Er kommt. Langsam taucht er hinter dem Hügel auf und stapft zwischen den Bäumen die Allee lang. Mister Schnappi, der Gruselkrokomensch erinnert mich irgendwie an Gozilla. Diesen Gedanken verfolge ich nun nicht weiter, da ich erstmal mit Furcht und Angst beschäftigt bin.

Komisch. Links und rechts neben der Feldallee und den Bäumen ist Ackerland. Aber der schuppige Riesenwaran hält sich schön auf dem Weg. Er hat wohl Rotkäppchen gelesen, denke ich noch, kann mich aber selbst nicht wirklich aufheitern. Die Luft wird dünner. Das liegt daran, dass das Vieh neben dem Baum stehen bleibt. Neben meinem Baum. …..

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