Schubladendenken in der Literatur

Verlegte Erstlingswerke von jungen, noch unbekannten Autoren erzeugen nicht selten auch seitens des Verlages eine gewisse Erwartungshaltung für die Zukunft: Beginnt hier schon das oft als typisch deutsch charakterisierte Schubladendenken? Was, wenn der Autor nun auch in anderen Genres zur Höchstform aufläuft – spielt der Verlag da in jedem Fall mit? Wer macht da am Ende Kompromisse – nur eine Seite? Der Autor?

Nun fehlt mir selbst die Erfahrung, das aus eigener Sicht beurteilen und erklären zu können. Es gibt aber nicht wenige Schriftsteller und Autoren, die sich in „ihren“ Genres etabliert haben, zu Hause fühlen und denen sich diese Frage daher so nicht stellt. Ohne die Kategorisierung der verschiedenen Schreib- und Erzählstile würde ein wichtiger Gesichtspunkt zur Strukturierung der Literaturlandschaft fehlen. Darin sind sich viele der Schreibenden scheinbar einig. Aber wie hält es die einzelne Person mit den Genres – werden Texte den Genres (und damit vielleicht den Verlagsvorgaben) angepasst? Oder spielt tatsächlich die Wirkung und die Qualität der Werke die übergeordnete Rolle? Wer in welcher Sparte und mit welchem Genre Erfolg hat, entscheidet immer noch die Qualität. Autoren, deren verschiedenste Werke verlegt werden und auf dem Buchmarkt präsent sind, müssen es sich dann wohl auch künftig gefallen lassen, dass der Leser durch die Verkaufszahlen die Prioritäten setzt und so im Laufe der Zeit möglicherweise ein Genre favorisiert. Immer wieder traf ich bei Nachfragen und dem Sammeln von Wortmeldungen auf die Aussage, dass Autoren während des Schreibens zumindest nicht bewusst an das Genre denken. Die Entscheidung für einen Erzählstil wird nicht selten aus dem Gefühl heraus getroffen und letztendlich der Handlung, dem Inhalt und einer eventuell im Werk enthaltenen Botschaft untergeordnet. So findet so mancher Schreiberling sein Lieblingsgenre. Und letztendlich steht es ihm frei, mit verschiedenen Genres an verschiedene Verlage heran zu treten. So gesehen ist das Schubladendenken in der Literatur, auch wenn es manche Schriftsteller und Autoren immer wieder beschäftigt, nicht viel mehr als der Versuch einer strukturierten Katalogisierung nach Rubriken, um so als Orientierungshilfe für den Leser zu dienen. Und das ist auch gut so. Denn mit diesem Gedanken im Hinterkopf schreibt es sich nochmal so gut über Genregrenzen und antikreatives Schubladendenken hinweg.

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