Geplanter Wohnblockabriss in der Rostocker Südstadt wirft Fragen auf

wochIn einer regionalen Tageszeitung (OSTSEE-ZEITUNG) erschien vor einigen Tagen ein Artikel zu einer Studie, die vom Rostocker Büro für Stadtplanung in Auftrag gegeben wurde. Rostock braucht Wohnraum – und diese Studie untersuchte speziell und scheinbar ausschließlich einen Stadtteil Rostocks, in dem es noch viel Grün gibt und in welchem viele Senioren und Rentner wohnen und sich wohlfühlen – die Südstadt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass man in Rostocks grünstem Stadteil unter anderem noch drei Dreizehngeschosser bauen könnte. Dafür müsste lediglich ein Ärztehaus weggerissen werden, welches erst seit sieben Jahren existiert, die Zeitung zitiert die Städteplaner mit dem Satz, das hätte „städtebaulich wenig Charme“, könne also weichen. Drei längsseitig zum Kringelgraben stehende Wohnblöcke mit je 48 Mietparteien sollten ebenfalls mal eben abgerissen werden, damit man dann fünf „Komfort“-Blöcke wieder aufbauen könne – seitlich mit Blick zum Wasser – so plant es die Studie. Über die an den Haaren herbei gezogene Argumentation will ich mich hier gar nicht auslassen.

block2Weder die Eigentümer der Blöcke, die ja in diesem Fall Vermieter sind und dazu das letzte Wort haben – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen – noch die Betroffenen wurden dazu befragt oder darüber informiert. Alle erfuhren es aus der Zeitung und wurden so scheinbar vor vollendete Tatsachen gestellt, denn der Beitrag liest sich, als sei diese Geschichte beschlossene Sache, wenn auch der Ortsbeirat am Schluss noch ein zaghaftes Veto loswerden darf.

Wer finanziert das denn, wenn der Abriss eines Einfamilienhauses schon 20.000 € kostet und die Vermieter gar nicht erst gefragt werden? Wohin will man die Generation 60+ von denen dort viele wohnen, gegen ihren Willen denn für die Bauzeit verbannen? In Turnhallen?

FAZIT: Der einseitige Artikel lässt Fragen offen. Die OZ sorgte und sorgt so bei vielen Südstädtern für schlaflose Nächte und Existenzängste. Die Südstadt sei so schön grün, lobt der Artikel und beginnt dann zu erklären, wo überall das geändert werden soll. Weder die Eigentümer der Wohneinheiten, noch die Mieter wurden bisher angehört.  Das aber hätte den Artikel rund gemacht! Dass neue bebaubare Flächen genutzt werden sollen, ist verständlich .  Aber Häuser abreißen und dann seitlich gedreht wieder aufbauen?  Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass so die  OSTSEE-ZEITUNG, deren (Auflagen-) Stern allmählich langsam im Sinken begriffen ist, sich so nochmal ins Gespräch bringen wollte. Wenn die Qualität des Journalismus in den Printmedien der Zukunft so aussieht, tut mir jeder Baum leid, der dafür dran glauben ( und möglicherweise einem Dreizehngeschosser weichen) muss.  😦

Kommentare

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.