Organspende – subtiler Zwang durch ständiges Fragen?

Das Transplantationsgesetz sieht vor, dass alle Versicherten regelmäßig im Abstand von zwei Jahren nach ihrer Spendenbereitschaft befragt werden. Darüber besteht parteiübergreifend Einigkeit. Dieser Tage (Mai 2012) liegt das Thema in Berlin auf dem Tisch. Nicht, dass man irgendjemanden zur Organspende überreden oder gar zwingen möchte….aber gefragt wird immer und immer wieder….zumindest, so lange die Antwort Nein lautet. Wenn dann schließlich zugestimmt wird, könnte dann auch das nach zwei weiteren Jahren wieder hinterfragt werden. Wie sinnvoll ist das denn?

Wer einmal seine Entscheidung getroffen hat, muss diese also immer wieder neu treffen. So will es das Transplantationsgesetz. Mal abgesehen von dem Verwaltungsaufwand, der damit verbunden ist, soll das eine Aufklärungsarbeit über die Notwendigkeit, über Sinn und Ziel der Organspende ersetzen? Wer garantiert, dass hier nicht Betroffene insbesondere kommerziell buchstäblich ausgenommen werden und die Medizin dadurch auf deren Kosten Gewinne und Profite einfährt? Wenn Ärzte und Mediziner mit Eurozeichen in den Augen am OP-Tisch stehen und hirntote (oder sogar hirntot gemachte) Organspender wie Autos ausschlachten, um so teurere Behandlungsalternativen bequem zu umgehen, wer legt da vorher noch Wert auf eine Zweitdiagnose? Ein Organspender ist ja bereits zur Hand… Auch diese schauerliche Vorstellung ist manchen Internetforen zufolge immer noch einer der wichtigsten Beweggründe, Nein zur Organspende zu sagen.

Unterschwellig wird also ein Nein nicht akzeptiert, wenn die Frage immer wieder neu gestellt wird. Wer Organspender sein möchte, wird sich dazu schwerlich angesichts der ständigen Fragerei durchringen, sondern hat seine eigenen persönlichen Gründe und Ansichten dazu – und wird sich sicher selbst zwischenzeitlich um einen Organspendeausweis kümmern, wenn er das nicht schon längst getan hat. Und das nicht erst, wenn zum Xten Mal dieselbe Frage ins Haus geflattert kommt. Sind die Versicherten nicht mündig genug, ihren Willen von sich aus zu ändern, wann sie es für richtig halten? (Entschuldigung für die Fragerei.)

Vielleicht straft der Erfolg dieser Herumfragerei ja auch alle Kritiker Lügen, und wir Deutschen entpuppen uns als ein Volk der Ja!-Sager. Wer weiß…Dennoch: Von Bevormundung würde ich hier trotzdem nicht sprechen, da man nach wie vor die Möglichkeit hat, Nein zu sagen. Niemand muss seine Meinung schon beim zweiten Fragebogen ändern und seine Bedenken über Bord werfen, nur weil der Staat es gut fände. Auch, wenn man immer wieder gefragt wird, bis der Arzt kommt.

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