Schauspieler und Mimen – Grenzgänger zwischen Welten

Sprechen wir über Parallelwelten, kommen wir neben der Betrachtung der virtuellen Welt nicht an einer anderen Welt vorbei: Der Theater- und Filmwelt. Schauspieler und Mimen aller Art schlüpfen schließlich in Alter Egos aller möglichen Coleur und tauchen so in parallele Sphären ab – und das nicht zuletzt auch auf den “Brettern, die die Welt bedeuten”.

Während meiner Tätigkeit als Zeitungsredakteur und Kulturreporter für das Rostocker Straßenmagazin STROHhalm durfte ich einen Regisseur vor der Premiere seines Stückes, eines Weihnachtsmärchens, am Volkstheater Rostock zu seiner Arbeit befragen. Aus dem Interview ist mir noch gegenwärtig, dass der Regisseur den Künstlern bemerkenswert viel Raum zur Improvisation ließ – sie mussten sich nur “im Großen und Ganzen” an den Text halten, durften und sollten sich mit eigenen Worten ausdrücken. Das, so sagte er auf eine entsprechende Frage von mir, mache die Authentizität der Figuren aus. Damals stellte sich mir noch nicht die Frage, ob hier nicht Parallewelt und reale Welt ineinander greifen und sich deren Grenzen auflösen. Er lasse schon Szenen mehrmals proben, sagte der Regisseur und beharrte naturgemäß darauf, professionell und ernsthaft an der Inszenierung gearbeitet zu haben.
Niemand stellte das natürlich in Abrede, und angesichts des inszenierten Stoffes hatte er sich vorab Gedanken gemacht, inwieweit Improvisation hier möglich weil hilfreich sein konnte.

Am Tag der Premiere, als das Stück dann lief – übrigens handelte es sich hierbei um den “Hauptmann von Köpenick”, also einen Klassiker, sah sich der Meister das Ergebnis seines Schaffens nicht etwa an, denn wie ein Fußballtrainer machtlos an der Seitenlinie zu stehen, sei so gar nicht sein Ding, bekannte er – vielmehr werde er einen Spaziergang durch das schöne winterliche Rostock unternehmen und abschalten. Zumindest hier wurden die klaren Grenzen zwischen den verschiedenen Welten also wieder klar sichtbar. Der Mann konnte offensichtlich loslassen. Ob er nicht dennoch ein Perfektionist war, vermochte ich auch nach der Premiere, die in der Lokalpresse gute Kritiken bekam, nicht mit Bestimmtheit zu sagen.

Was ich aber durch das Interview gelernt habe:
Geordnete Strukturen und Grenzen sind hilfreich, aber besonders bei kreativer Arbeit keineswegs ein Dogma. Das gilt erstaunlicherweise auch in Parallelwelten. (c) nov2012

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